Donnerstag, 24. August 2023

Paris Sainte Chapelle - die vom hl. Ludwig für die Dornenkrone Christi errichtete "Heilige Kapelle"

Nachdem der heilige König Ludwig IX. von Frankreich (hier und hier) die Dornenkrone Christi aus Byzanz erworben, sie am Stadtrand von Paris barfuß und im Büßergewand in die Hände genommen und auf dem Altar der Kathedrale "Nôtre Dame" niedergelegt hatte, ließ er in seinem Palast (dem inzwischen alten Justizpalast) für die Dornenkrone die "heilige Kapelle" errichten, den ersten Kapellenbau im gotischen Stil, der bisher nur für Kathedralen verwendet wurde (hier eine Dissertation dazu).


Nach den Wirren der Revolution befindet sich die Dornenkrone wieder in der Kathedrale Unserer Lieben Frau und ist beim Brand 2019 von einem beherzten Feuerwehrmann gerettet worden.


Einige Bilder aus meinem Archiv:









Unter dem Baldachin über dem Altar wurde die Dornenkrone aufbewahrt:







In dieser Nische in der Südwand - heute staatlicherseits durch einen Bildschirm erneut "säkularisiert" - hat der hl. Ludwig täglich der hl. Messe beigewohnt. (Testament Ludwigs an seinen Sohn)



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Mittwoch, 19. Juli 2023

Johannes von Damaskus zum Islam - Der Schwarze Stein der Kaaba


In Jan-Heiner Tücks Buch "Crux. Über die Anstößigkeit des Kreuzes" (S. 311, Anm. 12 [in der ersten Auflage]) bin ich auf die Kritik des hl. Johannes von Damaskus am Islam gestoßen. 


Der Kirchenvater (* um 650 in Damaskus, † 4. Dezember vor 754 im Kloster Mar Saba, Jerusalem) hat in der Frühzeit des "Islam" gelebt, war doch dessen Gründer Mohammed erst 632 gestorben, falls es ihn wirklich gegeben hat.


Johannes führt in seinem Buch „Πηγή Γνώσεως “ (Quelle der Erkenntnis) unter dem Kapitel „Περί Αιρέσεων“ (Über die Irrlehren) die Religion Mohammeds unter den christlichen Irrlehren auf. Siehe hier (Sp. 763/764, Nr. 101; griechisch-latein) und hier (Nr. 100 ab Absatz 2; griechisch).


Dazu habe ich diesen ins Deutsche übersetzten Auszug gefunden, dessen Inhalt hoffentlich nicht so falsch ist, wie die Zeichensetzung (hier die Quelle auf Englisch). Es lohnt sich, diese beißende Kritik zu lesen. 


Darin meint Johannes, der Schwarze Stein der Kaaba sei der Kopf des heidnischen Götzenbilds der "Aphrodite" und erkennt darauf Spuren ihres Gesichts. Auf dem Bild oben kann man das mit ausreichender Phantasie erahnen. Vielleicht ist der Effekt aber auf Lichtspiegelungen oder ein Bildbearbeitungsprogramm zurückzuführen.


In der Kaaba gab es vor der mohammedanischen Reinigung neben dem Heiligtum für den Hauptgott "Allah" u.a. drei für die Göttinnen Manāt ("Schicksal"; vielleicht war ihr der Schwarze Stein geweiht), Al-Lāt (vgl. Han-’Ilat, "die Göttin"), für die ein weißer Stein stand, und al-ʿUzzā ("die Mächtigste" siehe auch hier) mit einem roten Stein (der Schwarze Stein erscheint auf einigen Bildern durchaus rot).


Mohammed hat den Schwarzen Stein wegen der traditionell-heidnisch-arabischen Wallfahrt nach Mekka aus dem vormuslimischen Heiligtum übernommen - offenkundig als "weibliches Zugeständnis" in seiner ansonsten streng männlichen Religion, ist er doch nicht nur heute in der Form einer Vulva eingefaßt, sondern soll der Opferstein der "Göttin" al-ʿUzzā gewesen (siehe auch diesen etwas esoterischen Hinweis).


Letztere arabische "Göttin" war tatsächlich die des Morgensterns Venus; und die römische "Göttin" Venus entspricht der griechischen Aphrodite (zum semitischen Venuskult).


Unter den Mohammedanern werden übrigens bis heute die "satanischen Verse" in der 53. Sure "An-Nadschm" über das angebliche Zugeständnis "des Propheten" an die Kuraisch diskutiert, ihre Götter als Fürsprecher bei "Allah" zu akzeptieren.


Die auf den ersten Blick aufklärerische Religionsreform Mohammeds ist nach Meinung des hl. Johannes von Damaskus nicht nur eine Irrlehre, sondern bewahrt mit der Verehrung des Schwarzen Steins das Heidentum.


PS. Daß vom Himmel gefallene Steine (wie es vom Schwarzen Stein berichtet wird) als Heiligtümer aufgerichtet wurden, ist im semitischen Raum keine Seltenheit. Die Geschichte vom Traum Jakobs/Israels von der Himmelsleiter und der Gründung des Heiligtums in Beth-El durch Aufrichtung des "Jakobkissens" ist eine biblische Spur davon. (Im letzten Link heißt es sogar: "Manchmal bilden diese (Kultsteine) ein stilisiertes Gesicht.")


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Sonntag, 2. Juli 2023

Rolandseck: "Goldene Zeiten der Holländischen Malerei"

Im Arp-Museum im Bahnhof Rolandseck (bei Remagen) läuft bis zum 20. August 2023 die Ausstellung „Goldene Zeiten der Holländischen Malerei“, die sehr zu empfehlen ist. 


Man kann das z. B. mit einem Besuch der Apollinariskirche in Remagen und des renovierten Bonner Münsters verbinden.


Ich habe meine sieben Favoriten mit dem Klugphon aufgenommen, z. T. „von schräg“, um Lichtspiegelungen zu vermeiden, was nicht immer ging.


1. Cornelis de Heem, Früchtestilleben (ca. 1665-72; Ausschnitt). 

Man beachte, wie das Licht durch das Fruchtfleisch der Zitrone scheint:



2. Caesar Pietersz van Everdingen, Junge Bäuerin mit schwarzem Hut an einem Zaun (1. Hälfte des 17. Jh.). 

Sehr "präsent"; beim Zaunbrett muß man genau hinsehen, ob es echt oder "nur" gemalt ist:




3. Gerrit van Honthorst, Alte Frau prüft eine Münze vor einer Laterne (ca. 1623; Ausschnitt).

Zauberhaft beobachtet; man beachte den rechten Arm im Schatten und den Münzbeutel im Busen:



4. Jan Siberechts, Das Kabinett eines Kunstliebhabers (ca. 1661-71). Man beachte den Wandteppich und die vielen Bilder im Bild:



5. Hendrick ter Brugghen, Tricktrackspieler (1627; Ausschnitt). Ein Rotzbengel in Rüstung:



6. Matthias Stom, Christus vertreibt die Geldwechsler aus dem Tempel (1629-32; Ausschnitt). Jedes Gesicht eine Meditation:



7. Jan Lievens, Christus an der Geißelsäule (ca, 1625; Ausschnitt). Man sieht jeden Schweißtropfen und das Innere "bis zum Äußersten":




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Freitag, 24. März 2023

Hat Gott einen miesen Charakter? - zu Ex 32, 7-14

Zur Lesung am Donnerstag der 4. Fastenwoche (Ex 32, 7-14) hat jemand gefragt:


Wie ist die Lesung zu verstehen? Sind das menschliche Züge bei Gott? Lässt er sich auch von Satan verführen? Oder wie kommt unser allmächtiger und gütiger Gott zu 'bösen' Gedanken, und warum muss Gott Reue empfinden, noch dazu auf menschliche Intervention (Mose)?


Ich habe geantwortet:


Nicht nur diese Lesung ist verstörend, sondern z. B. auch der Befehl an Israel, die Völker im Gelobten Land zu vernichten, und daß er zuvor, um sein Volk aus Ägypten zu befreien, unzählige unschuldige ägyptische Soldaten (Familienväter) hat über die Klinge springen lassen. 


Gott hat in den frühen Büchern des AT nicht nur allzu menschliche Züge, sondern z. T. einen geradezu miesen Charakter, der sich erst im Laufe der Zeit läutert. 


Wenn Du mal Zeit für ein gutes, aber dickes Buch hast, lies dazu von Jack Miles: Gott. Eine Biographie. Das ist natürlich (hoffentlich!!!) keine wirkliche Beschreibung der Entwicklung Gottes, der ja ewig und vollkommen ist, sondern legt dar, wie sich sein „Charakter“ in der Bibel entwickelt. Am Ende des AT ist er übrigens stumm und fern.  


Man muß die Bibel immer im Ganzen sehen. Ohne das Evangelium bleibt Gott hinter einem Schleier.


Mit dem Evangelium liest sich die Lesung von Christus her: Mose ist eine Präfiguration Christi. Er springt für das sündige Volk vor Gott in die Bresche, und Gott läßt sich von seinem Gebet am Kreuz („Vergib ihnen…“) bewegen.


Hier stellt sich natürlich die Frage, warum Gott sich erst von Christus hat bewegen lassen müssen/wollen.


Meine („ketzerische“) Vermutung: Weil er als reiner Geist die Unvollkommenheit der Menschen nicht kannte. Erst durch seine Menschwerdung hat er „gelernt“, wie es sich in unserer Haut anfühlt. Und da Christus ja wahrer Gott und wahrer Mensch ist, hat er in ihm ja quasi zu sich selbst für uns gebetet.


In der Messe vom Donnerstag wird übrigens zum Offertorium „Precatus est Moyses“ (Mose hat gebetet) gesungen, eines der „prophetischen Offertoria“ - siehe hier ab S. 3.

Montag, 6. März 2023

Neumünster St. Vicelin und der hl. Volker von Segeberg

1127 wurde der Priester Vicelin mit der Gründung eines Augustiner-Chorherrenstiftes im damaligen Wippendorf betraut, dessen Bezeichnung “novum monasterium” ("Neues Kloster" - Neumünster) wenig später auch auf den Ort überging (Quelle).


Die 1147 errichtete Kirche wurde zur Grablege des hl. Volker von Segeberg, eines Priesters und Gefährten des hl. Vicelin bei der Mission im Land der Wenden. Volker hat nach der Gründung des Stifts als Chorherr in Neumünster gelebt und ist in Segeberg unter den heidnischen Obotriten zum Blutzeugen für Christus geworden. Ein weiterer Heiliger von Neumünster ist der Bekenner Thetmar/Dietmar.


Das Stift siedelte 200 Jahre später nach Bordesholm über und nahm die Reliquien seines Gründers, des hl. Vicelin, mit. Es ist nicht belegt, aber zu vermuten, daß damit auch die Gebeine des hl. Volker nach Bordesholm kamen.


Das Grab des heiligen Volker befand sich einst in der alten Kirche, die nach der Übersiedelung des Stiftes nach Bordesholm vermutlich nicht zu erhalten war. Nach Auskunft eines dortigen Pfarrers stand die alte Kirche südlich der 1829-34 errichteten neuen, und das Grab des heiligen Volker soll es schon damals nicht mehr gegeben haben.


Bilder von "Neu-St. Vicelin":





Das Rathaus von Neumünster:


Ostholsteins Kirchen

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Freitag, 30. Dezember 2022

Soest

Vorige Tage war ich bei winterlich-dunklen Lichtverhältnissen und nur mit dem Funktelephon "bewaffnet" in Soest (sprich "Soost"), der ältesten Stadt Westfalens.


Der ausgedehnte mittelalterliche Stadtkern (Stadtmauer weitestgehend erhalten) birgt eine Fülle von Kirchen und Kapellen, von denen allein der Patrokli-Dom (vom Kölner Erzbischof Bruno gegründete Stiftskirche) in der Reformation katholisch geblieben ist. Die anderen Kirchen sind weitestgehend lutherisch und gut erhalten. Zwei sind reformiert. Alle stammen aus dem Mittelalter.


Prägend ist hier der Anröchter Grünsandstein.


St.-Patrokli-Dom (Stiftskirche) mit ungewöhnlichem Westwerk:



Blick zur St.-Petri-Kirche, der ältesten Pfarrkirche der Stadt:



Der Hochchor des St.-Patrokli-Doms:



Marienchor:



Romanisches Relief an einem Mittelschiffpfeiler:



Kreuztragungskapele im nördllichen Seitenschiff:



Grabmal an einem Mittelschiffpfeiler:



Krypta:



Im Patrokli-Dom wird die Krippe immer aufwendig aufgebaut:



Kreuzgang:



St.-Nikolai-Kapelle beim "Dom":



Der heilige Nikolaus wird auch von einer Bäckerei als Patron bemüht:



Die Brunsteinkapelle, nach der zwischenzeitlichen Rekatholisierung der Stadt "Zuflucht" der Protestanten, heute ein Künstleratelier:



St. Marien zur Wiese prägt mit ihrer Doppelturmfassade die Stadtsilouette und ist auch sonst ein "Hammer":






Die "Schöne Madonna" in der Wiesenkirche:



Das Tabernakel (z. Zt. außer Betrieb):



Im Nordturm steht das Retabel des einstigen Hochaltars, in dessen Mitte vielleicht das Marienbild ihren Platz hatte, das heute in Werl verehrt wird: 



Wegen der Gründung durch den Kölner Erzbischof Bruno findet man in Soest viele Dreikönigsdarstellungen, hier die an der Predella des Altars im Nordchor der Wiesenkirche:



Darstellung der Vision des hl. Patroklus (Wiesenkirche):



Das berühmte "westfälische Abendmahl" in der Wiesenkirche, das angesichts des Reichtums dieser Kirche nur ein nettes Détail ist:



Die "Mutter" der Wiesenkirche St. Marien zur Höhe ("Hohnekirche"):




Ein Altarretabel nach gotländischem Vorbild (Soest war Hansestadt):



Hochchor:



Heiliges Grab:





Taufkapelle:





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