Dienstag, 15. April 2014

St. Bernhard Obermeiderich

Nüchtern betrachtet nur eine Ruhrgebietskaschemme - und doch finde ich sie schön, meine Heimatkirche. Hier lernte ich den Glauben und die Kirche kennen und lieben. Ich glaube, es war der Pantokrator, unter dem übrigens damals noch das Tabernakel stand...

Der schon 1895 gegründete und bis heute bestehende Kirchenchor hatte durch Konzerte zur Finanzierung des Kirchenbaus beigetragen - eine im Ruhrpott damals übliche Methode bei der Neugründung einer Pfarrei.

Am 15. Mai 1889 weihte der Pfarrer der Mutterpfarrei St. Michael Meiderich den Grundstein der neuen, zunächst als Provisorium zu errichtenden "Notkirche". Man erwählte den heiligen Bernhard von Clairvaux zum Kirchenpatron.

Wenig später errichtete man ein massives und die Kirche überragendes Pfarrheim mit einem großen Saal, das "Jugendheim". Die Notkirche aber blieb... (Der einst dienstälteste Pfarrgemeinderats- und zuvor schon Pfarrkomiteevorsitzende Deutschlands pflegte übrigens zu sagen: "Wenn hier niemand mehr an Gott glauben würde, ginge das Leben im Jugendheim unvermindert weiter".)

Am 31. März 1903 wurde St. Bernhard mit 3300 Katholiken unter 8665 Einwohnern zur Pfarrei erhoben und damit von St. Michael abgepfarrt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Notkirche beschädigt. Man beschloß, sie in in einer "endgültigeren" Form zu erneuern: 1952 wurde ein "Westwerk" mit Turm und Orgelbühne angebaut. Das Innere wurde im Stil der Zeit heftig "bereinigt", aber durchaus mit Geschmack.

Bei der großen Strukturreform des Bistums Essen ab 2006 stand St. Bernhard auf der "Abschußliste" und ist doch erst einmal heil davongekommen. Als der "Verschonungsbeschluß" bekannt wurde, gab es nach der Messe Sekt unter der Orgelbühne.

Heute ist St. Bernhard Filialkirche der Gemeinde (ursprünglich Tochterpfarrei) "Christus unser Friede" im Hagenshof und zur Mutterpfarrei St. Michael Meiderich "heimgekehrt", die nun das ganze ehemalige Dekanat Ruhrort umfaßt.



So sah die 1889 errichtete Notkirche aus, in deren Dachreiter schon damals die heute einzige Glocke von St. Bernhard läutete. Sie ist 1873 in Neuwied gegossen worden und kam (mit zwei weiteren als Spende zur Kirchengründung) von St. Michael Wanheimerort nach Obermeiderich.



Hauptportal von 1952:



Blick auf die Notkirche von 1889 mit dem Westwerk von 1952:



Blick ins Innere:





1907:



1940:



1951:



Die letzten drei Bilder stammen, wie die Skizze von der Notkirche oben, aus der Schrift "Kath. Pfarrgemeinde St. Bernhard Duisburg-Obermeiderich" (o. J.), die in den frühen 1970er Jahren erschienen ist.



St. Bernhard, Obermeiderich, Altarbild: Pantokrator
Heribert Reul, Kevelaer 1962
St. Bernhard, Obermeiderich, Patronatsbild: St. Bernhard verehrt die Gottesmutter
Heribert Reul, Kevelaer 1962


Der Orgelprospekt (Zink) stammt von der 1954 von der Firma Willi Peter Köln erbauten Orgel, die sie 1951 für die Salvatorkirche (unter Verwendung von Material der Vorgängerin von Walckererstellt hatte und nur drei Jahre später für St. Bernhard umgebaut hat. Sie umfaßte 23 Register. 

Wegen des minderwertigen Materials und der störananfälligen Kegelladentechnik lohnte sich in den 1980er Jahren eine Reparatur nicht mehr. Da schon damals die Finanzen der kleinen Pfarrei knapp waren und man ja auch fortschrittlich sein wollte, schaffte man eine (wartungsfreie) elektronische Orgel der Firma Heyligers an - mit analoger Klangerzeugung und künstlichem Nachhall (dafür die Boxen unter der Decke).


Die Orgelbühne wurde später etwas putzig bemalt...




Sakristeiglocke - eines der wenigen erhaltenen Originalausstattungsstücke.
Daran habe ich unzählige Male gezogen.
Fenster der Sakramentskapelle, die seit dem Umbau der 1950er Jahren zwischenzeitlich Taufkapelle war:



Der Fußboden - im Mittelgang mit den Propheten des Alten Testaments - und der Kreuzweg sind vom Bildhauer und Pfarrmitglied Hans-Gerd Berns geschaffen worden.


Marienkapelle im Südwesten:



Erwähnenswert sind aus der Zeit der Neuausstattung in den 1950er Jahren der Taufstein (Bild unten) aus Kirchheimer Muschelkalk, der 1956 von der Hamborner Firma Schiffer hergestellt wurde, und das Weihwasserbecken aus Muschelkalk von 1959, Meisterstück eines Mitarbeiteres der Firma Gräfen in Hamborn. Dieses dient aber derzeit im "Vorgarten" des ehemaligen Pfarrhauses - auf den Kopf gedreht - als Sockel für eine Marienfigur...



Obermeidericher Bernhards- und Patronatslied:

1. Himmlische Chöre jubeln vor dem Herren, 

da er verherrlicht, den wir heut’ verehren. 
In Gottes Stadt zieht Bernhard ein in Freude. 
Gruß dir, Sankt Bernhard!

2. Von edlem Blute wurdest du geboren.

Zu neuem Adel hat dich Gott erkoren.
Du fliehst die Pracht der Welt und folgst dem Rufe
glaubend, Sankt Bernhard.

3. Ins Kloster tratst du ein mit dreißig Brüdern,

die Liebe Gottes dankend zu erwidern.
Lobpreis und Arbeit weihst du ihm, dem Höchsten,
hoffend, Sankt Bernhard.

4. Dich trieb die Liebe, ganz dich hinzugeben.

Christus, dem Herren, schenktest du dein Leben,
wie eine Braut sich sehnt nach ihrem Freunde
liebend, Sankt Bernhard!

5. Päpsten und Fürsten sagst du Rat und Wahrheit,

predigst den Vielen Worte voller Klarheit,
Lehre wie Honig macht die Herzen brennen.
Künder, Sankt Bernhard!

6. Bei Christi Mutter hast du Trost gefunden.

Sie war dir Beistand in den dunklen Stunden.
Bitte mit ihr für uns am Thron des Höchsten,
Beter, Sankt Bernhard!

7. Schau die Verwirrung ruheloser Zeiten,

sieh, wie wir heute tastend vorwärtsschreiten!
Zeig uns den Weg zur Wahrheit und zum Frieden,
hilf uns, Sankt Bernhard!

8. Dein heilges Leben hat der Herr gekrönet,

der unsre Welt am Kreuz mit sich versöhnet.
Er führ’ auch uns zum Himmel, ihn zu loben
mit dir, Sankt Bernhard!

M: Z. A. Sojčić 1998

T: U. Terlinden 1997, 7. Str. angeregt durch H. J. Küsters
zum 100jährigen Kirchweihjubiläum von St. Bernhard Obermeiderich 1998, überarbeitet 2014

Liedblatt, Druckvorlage DIN A4Satz, anhören


Meßgesänge zum St. Bernhards-Fest


St. Bernhards-Rosenkranz




1 Kommentar:

gla-hh-58 hat gesagt…

Lieber Ulrich,

tausend Dank für die schönen Fotos. In dieser Kirche habe ich meine allererste Predigt gehalten, und zwar am Vorabend zum Christkönigsfest - ich denke, 1986. Sehr schöne Bilder! Dir und den Deinen frohe OSTERN - DEIN Gary Lukas