Freitag, 15. Mai 2020

Halde Haniel


Bei der Zeche Prosper Haniel wurde von 1963 ("Aufhaldungsbeginn") bis 2006 eine 126 m hohe Halde mit 120.000.000 t Abraum aus dem Kohleabbau aufgeschüttet. Man hatte in den 1960er Jahren die Verfüllung der abgebauten Stollen mit "Abraum" (Stein) aufgegeben und damit begonnen, diesen über Tage "aufzuhalden". Die Zeche liegt übrigens in Oberhausen/Rhld., die Halde in Bottrop.

Ein 1987 anläßlich des Besuches Papst Johannes Pauls II. gebautes Kreuz aus Spurlatten wurde 1992 auf dem damals höchsten Punkt der Halde am Karfreitag aufgerichtet. Auf dem Weg zum Kreuz wurden Kreuzwegstationen errichtet (Bildentwürfe: Tisa von der Schulenburg, in Kupfer ausgeführt von pensionierten Bergleuten) und ein Förderwagen unter dem Kreuz zum Altar gemacht. 

Die Halde wurde danach weiter angeschüttet. Weiter oben befindet sich seit 1999 ein Theater nach antikem Vorbild auf 96 m Höhe über Grund. (Hier wird es m. E. besonders sehenswert. Siehe unten.)

Dieser "Abfallhaufen" des (im nachhinein fast wahnsinnig erscheinenden) Energiehungers vergangener Zeiten ist mittlerweile zu einem Ort der Erholung und der Einkehr geworden.

Der Kreuzweg mit seiner Geschichte und Bildern wird hier, hierhier und hier ausführlich dargestellt. Daher gibt es hier nur wenige Bilder davon.

Die unteren Hänge der Halde sind inzwischen von einem reichen Mischwald bewachsen.



Der o. g. Kreuzweg wird mit einem Teufkübel begonnen, einem Gefäß, mit dem man beim Abteufen eines neuen Schachts das anfallende Gestein an die Oberfläche brachte:




Dies ist ein Détail von der 5. Station des Kreuzwegs. Ein "Reibungsstempel mit Van Wersch-Kappe", über den auf einer Informationstafel zu lesen ist: "Zweiteiliger Metallstempel, dessen Ineinanderschieben durch Reibeelemente kontrolliert wird. Zur Abstützung des Hangenden (Decke) wurden im Streb Van Wersch-Kappen auf die Stempel aufgelegt."

Ergänzung zum "Hangenden": Der Boden heißt/hieß im Ruhrgebietsbergbau das "Liegende".




8. Station (auch hier): Der Fahrungswagen, mit dem die Bergleute unter Tage "vor Ort" gebracht wurden: 








10. Station (auch hier): Der Abbauhammer




Dann kommt man auf den ehemaligen Gipfel der Halde mit dem Kreuz aus Spurlatten zur 12. Station (auch hier):






Ausblick:




Unter dem Kreuz hat man einen Förderwagen zum Altar gemacht. Hier wird jedes Jahr auf Initiative der damaligen Pfarrei St. Barbara Königshardt (jetzt Gemeinde der Pfarrei St. Clemens Sterkrade) am Fest der Kreuzerhöhung die heilige Messe gefeiert:





Das Suppedaneum erinnert an einen Bahnsteig:







Die 13. Station (Der Leichnam Jesu wird in den Schoß seiner Mutter gelegt)




Bemerkens- und irgendwie auch bedauernswert ist die Bemerkung auf dieser Tafel unten: "Eine Mutter aus unserer Zeit". Denn dies ist ja inzwischen schon fast 30 Jahre her. Was hat sich seit dem nicht alles geändert... Dennoch ein Zeugnis mit bleibender Gültigkeit.




Blick von der Halde herab auf die sie verursachende Zeche Prosper Haniel:




Über dem damaligen Gipfel wurde die Halde weiter aufgeschüttet, und hier setzt die Natur zur Zeit noch ihre Pioniere ein:




Z. B. den Ginster:




Auf dem Gipfel:




Hier gibt es sogar einen Bergsee. Im Vordergrund sieht man noch die geradlinigen Spuren der menschlichen Arbeit, in denen sich die Pionierpflanzen ihren Raum erobern.



Die "Bergarena": 






Wieder zurück am Fuß der Halde bietet sich dieses unspektakuläre, aber sprechende Bild: Aus dem üppigen Mischwald, der inzwischen den unteren Teil der Halde bedeckt, blickt man auf Einfamilienhäuser aus den 1960/70er Jahren, die sich die Bergleute damals leisten konnten, und auf einen Radfahrer, der auf dem ehemaligen "Abfallhaufen" seine Freizeit verbringen will:



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