Montag, 23. März 2020

"St. Dennis" Walsum


An der Nordwestgrenze des Ruhrgebiets liegt Walsum, das, sehr zum Leidwesen seiner angestammten Einwohner, seit 1975 zur Stadt Duisburg gehört. Der schon recht friesisch klingende Name des Ortes bedeutet "Wal(l)sheim". 

Das alte Dorf mit seiner Kirche liegt zwischen zwei Welten: im Schatten eines das Ruhrgebiet mit Energie versorgenden Kohlekraftwerks und am Rande der Rheinaue. "Alt-Walsum" ist zur Randzone Walsums, eines typischen Ruhrgebietstadtteils, geworden. 

Kirchlicher Kern von Walsum ist die Pfarrkirche St. Dionysius. Sie ist um 800 gegründet worden, worauf ihr fränkisches Patrozinium hinweist, und geht damit auf die karolingische Zeit zurück. Sie gehörte damals zum Dekanat Duisburg und zum Archidiakonat Xanten.

Die Edelfrau Megthildis von (heute Oberhausen-) Holte(n) schenkte die Kirche (mit Patronatsrecht und dem Zehnten) 1281 dem Johanniterorden, der 1292 hier ein Ordenshaus (Kommende) gründete. Im Zuge der Säkularisation wurde die Kirche 1806 dem Orden enteignet (dessen katholischer Zweig inzwischen Malteserorden hieß). Das Patronat der Kirche ist seitdem auf den Staat (heute das Land Nordrhein-Westfalen) übergegangen.

Die heutige Kirche ist 1880-1883 errichtet worden - ein, wie damals üblich, typisch neugotischer Bau mit Charme. Er wurde im Zweiten Weltkrieg sehr beschädigt, aber man baute ihn danach (einigermaßen?) originalgetreu wieder auf. 

Die Ausstattung erfolgte im damals modernen Stil. Eine sparsame Renovierung vor wenigen Jahren bewahrte manches auch aus der Nachkriegs- und liturgischen Reformzeit der 1960/70er Jahre (Altar, Ambo, Orgel). Bei dieser Gelegenheit wurden die Bänke aus den Seitenschiffen entfernt, was dem Raum gut tut.

St. Corona sei Dank war die Kirche im März 2020 länger geöffnet als sonst, so daß ich hingefahren bin und Bilder machen konnte. Eine sehr nette Dame hielt Kirchenwache.

Auf dem Weg am Rande der Rheinaue:



Hier, an der Kaiserstraße, steht ein Hagelkreuz, dessen Korpus aus der Kirche in Halen  (zwischen Ruhrort und Neuenkamp) stammen soll, die 1595/96 bei einem Rheinhochwasser mit Eistreiben versunken ist. Der Korpus, sagt man, sei hier in Walsum an Land geschwemmt worden. Seit 1920 steht es am heutigen Ort. 2010 wurde der alte Korpus restauriert und in die Pfarrkirche gebracht (Bild unten). Heute befindet sich am Hagelkreuz eine Kopie aus Bronze.



Bemerkenswerterweise kreuzen sich nahe bei St. Dionysius die König- und die Kaiserstraße. Denn St. Denis bei Paris (einige Bilder hier) ist die Grablege der (west-) fränkischen (= französischen) Könige, nicht der (ost-) fränkischen (= deutschen) Könige und damit (heilig-) römischen Kaiser. :-) Die Straßenbenennung dürfte also in wilhelminischer Zeit erfolgt sein.


St. Dionysius vor dem Kühlturm des erwähnten Kraftwerks:




"Corona"-Bekanntmachungen am Westportal:






Die Kirche hat sogar ein voll ausgebautes Querhaus:






Marienkapelle im Südwesten:



Taufkapelle im Nordwesten:




Der originale Halener Kruzifix, der bis 2010 am oben erwähnten Hagelkreuz hing, befindet sich nun in der Turmhalle:


Bei der Verglasung der Fenster hat man in vielen das Johanniter-/Malteserkreuz als Zier verwendet, um an die Vergangenheit der Kirche zu erinnern:


Nach dem Besuch der Kirche habe ich einige weitere Bilder von außen gemacht:



Das Mauerwerk zeugt vom Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg mit beschränkten Mitteln:


Im Südosten hat man die Grundmauern des 1529/30 angebauten St. Johannes-Chors wieder sichtbar gemacht:



Wie es sich katholischerweise gehört, steht gegenüber der Kirche eine Kneipe. In Walsum ist es sogar eine historische Wacholderbrennerei - gewesen...



Vermutlich mittelalterliche und etwas mitgenommene Figur des heiligen "Dennis" an der Westfassade:



Stützmauern des (wohl gegen Hochwasser erhöhten) Kirchhofs:



Blick zum Kraftwerk:



Geht man von der Kirche in Richtung Rhein, kommt man wieder in den nichtindustriellen Teil des Niederrheins:


Gegenüber von Walsum liegt Orsoy (sprich: "Orsau") mit zwei Kirchen (normal und "evangelisch"). Die Orte sind mit einer Fähre verbunden: 



Blick zurück auf Kirche und Kraftwerk:




... und in die Rheinaue:



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