Dienstag, 18. Juli 2017

St. Alexander Schmallenberg

Schmallenberg im Sauerland wurde als "schmale Burg" 1243 gegründet. Der Ortskern besteht im wesentlichen aus zwei parallel verlaufenden gerade Straßen (Ost- und Westtraße) mit regelmäßig angelegten Verbindungsgassen.

Die Pfarrkirche St. Alexander hat eine bewegte Geschichte wie viele alte Kirchenbauten. Hier ist allerdings in mehrfacher Weise bemerkenswert, wie man bei Neuerungen das Erbe geachtet hat. Das wird auf den Bildern zu sehen sein.


"Sauerland! - Wo die Mithaufen qualmen, da gibts keine Palmen" bekennt der Eingeborene fröhlich - und irrt sich. Ecce:



Gut, dieses Exemplar ist noch künstlich, aber der Klimawandel ist ja im Gange...


Die Kirche St. Alexander hat einen neuen Glockenturm aus dem Jahr 2004; ein Betonbauwerk (von der Glockenstube abgesehen) ohne Geschosse, das im Inneren ein Oratorium bildet.



Der neoromanische Hauptbau weist nach Süden. An der Westseite fällt ein Portal auf, das im Vergleich mit dem Nordeingang wie ein Hauptportal daherkommt. Das hat, wie im Inneren zu sehen ist, seinen Sinn.





Umrundet man den neoromanischen Bau, stößt man im Osten auf den romanisch-gotischen Teil aus dem 13. Jahrhundert. Dessen Apsis, Chor und Langhaus sind weitestgehend erhalten und in den Neubau integriert:


Die zum Teil zugemauerten Fenster des alten Chorraums lassen eine spätere Barockisierung erahnen.


Zwischen alter Kirche und Glockenturm befindet sich ein neu gestalteter Zugang zur Kirche. Nach rechts (Norden) geht es in den (ebenfalls neuen) Turm, dessen Inneres eine Art Oratorium bildet.





Alte Kirche mit Barockaltar (Stühle können aufgestellt werden, sonst ist der Raum aber frei):


Blick aus der alten Kirche nach Westen zum "Hauptportal" an der Westseite der neuen Kirche:


Das Westportal ist durch Fenster verschlossen. Davor steht der Taufbrunnen. Das Blau der Fenster spielt auf dieses Sakrament an. Der Taufort ist also, trotz der Ausrichtung der neuen Kirche nach Süden, im Westen geblieben oder wieder hierher verlegt worden. - Sehr schön gelöst!



Linker Seiten- (=Ost-) Chor der neuen Kirche: Marienkapelle.


Das moderne Fenster des Marienchores. Rot für die Menschwerdung Gottes aus der Jungfrau. Schöne, sakrale Wirkung.


Fußboden und Pfeiler in der alten Kirche am Übergang zur neuen (Nähe Marienchor).



Die Verglasung aus den 1950-er Jahren (?) macht sich gut in der ab 2012 renovierten Kirche. Respekt...


Neoromanisches Retabel mit neuem Altar und neuer Beleuchtung:



Hochchorfenster:



Taufort:



Blick vom Taufbrunnen durch das Mittelschiff der neuen Kirche in die alte - also nach Osten:


Westlicher Seitenchor der neuen Kirche mit St. Valentinsaltar:





Klaisorgel im "Spargelfeldstil" von 1944 (!):



Wieder ein schönes Beispiel für eine in der Moderne weitergeführte Tradition: Das Fenster über dem Haupt- (Nord-) Portal der neuen Kirche zeigt den heiligen Christopherus; Nothelfer gegen einen jähen (d. h. sakramental unvorbereiteten) Tod. Vor einem solchen soll nach spätmittelalterlicher Überzeugung das Schauen eines St. Christopherusbildes schützen. Die Besucher der Kirche in Schmallenberg sehen das Bild beim Hinausgehen.


1 Kommentar:

dilettantus in interrete hat gesagt…

"(sitzgelegenheiten)können aufgestellt werden, sonst ist der Raum aber frei" wäre ein Satz, den ich bei Kirchenbeschreibungen gerne häufiger hören würde!