Samstag, 28. September 2013

Castel del Monte

Was für ein Bau! Was für eine Lage! Wofür?

Gut 20 km vom Meer, von den Städten (von diesen aus zu sehen), mit Blick auf den Michaelsberg Monte Gargano (für einen römisch-deutschen Kaiser nicht ohne Belang) und auf Andria, wo zwei seiner Gattinen bestattet sind, ließ Kaiser Friedrich auf 540 Metern Höhe mit Befehl vom 28. Januar 1240 ein - ja was: Schloß, eine Burg, eine kaiserliche Landkrone, ein esoterisch-spirituelles Gebäude, eine mathematisch-astronomische Rechnung? - erbauen, das Castel del Monte.

Wenn exakt auf diesem Breitengrad (und dem entsprechenden der Südhalbkugel) ein Mensch steht, um sich herum einen Kreis zeichnet und dann auf diesem die Position der Sonne bei ihrem Auf- und Untergang bei der Sommer- und der Wintersonnenwende markiert, ergibt sich zwischen den vier Punkten ein Rechteck mit den Seitenlängen 1:1,618 - dem Goldenen Schnitt, den vor allem Friedrichs Gesprächspartner Fibonacci errechnet und begründet hatte.

Das Schoß ist ganz nach dieser Proportion erbaut. Es ist ein Achteck mit acht wiederum achteckigen Türmen. Zwei Geschosse, keine erkennbaren Funktionsräume (Ställe, Küchen, Speicher - wohl aber Wasserklosetts!) Es hat keine Verteidigungsfunktion, keinen Graben, keine Brücke, keine Schießscharten usw.

Es ist so errichtet, daß der Schatten der Innenhofoberkante am Mittag der Tag-und-Nacht-Gleiche genau auf die gegenüberliegende Unterkante fällt. Und vieles mehr.

Geheimnisvoll und bezaubernd. Ich konnte mich kaum trennen von dieser Architektur, ihrer Klarheit, Schönheit, Lage...

Viele Bilder - bitte schwelgen:





































Ich war einen Tag vor der Tag-und-Nacht-Gleiche kurz nach Mittag da. Am nächsten Tag fällt der Schatten mittags genau auf die Unterkante der Wand:















Lichtscharte im Turm:





Marmörsäulenbündel im Obergeschoß:



Turmgewölbe:









WC (sic!) - aus Zisternenwasser gespeist:



Außenfenster des "Thronsaals"...



... mit Blick auf Andria:





Schattenspiel:

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