Samstag, 28. September 2013

Otranto - Stadt der Martyrer

Bei Otranto (Betonung auf der ersten Silbe) ist die Adria am schmalsten; der Abstand zu Albanien und Griechenland beträgt gut 80 km, so daß man bei gutem Wetter den Balkan sehen kann. 

Der Ort ist seit der Antike wegen seiner strategischen Bedeutung umkämpft. Er gehörte lange zur griechischen Einflußzone und hatte bis zum Schisma einen griechischen Bischof.

1480 versuchten die Osmanen in ihrem Streben, ihre Macht rund um das Mittelmeer auszudehnen, hier mit der Eroberung Italiens zu beginnen. Sie beschossen die Stadt zwei Wochen lang mit Granitkugeln, die heute noch überall dekorativ herumliegen, bevor sie sie stürmten und die Eroberten zum Übertritt zum Islam zwingen wollten. Der Bischof und viele Soldaten waren bereits gefallen. 

Die 800 verbleibenden Bürger entschieden sich unter Führung des Tuchmachers Antonio Primaldo für das Blutzeugnis für Christus und blieben damit diesem, dem Evangelium und seiner Kirche treu. - Bewegend und ein beschämendes Vorbild.


Otranto


Otranto, Kathedrale
Im Maßwerk des Rosenfensters kann man mit gutem Willen 16 Schlüssel erkennen - ein Hinweis auf die Gründung der christlichen Gemeinde in Otranto durch den Apostel Petrus.


Otranto, Kathedrale
Die Rennaisancedecke ist stark:


Otranto, Kathedrale
Kulturell ist das vollständig erhaltene Bodenmosaik herausragend, das der Priester Pantaleon 1163-1165 geschaffen hat:


Otranto, Kathedrale


Otranto, Kathedrale
Man kann deutlich sehen, daß die "unegale", eher vegetative Gestaltungsweise der Romanik planvoll geschah. Ein Gedanke, an den man in der Moderne zeitgemäß anzuküpfen scheint:


Otranto, Kathedrale


Otranto, Kathedrale
Die Reliquien der 800 Martyrer sind in den Wandvitrinen der Martyrerkapelle ausgestellt. Ich konnte dort die hl. Messe feiern. Diese Messe und das Gebet des Communioverses "Ihr seid bei mir geblieben in meiner Bedrängnis..." beim Blick in die Augenhöhlen der Blutzeugen war der geistliche Höhepunkt der Reise.


Otranto, Kathedrale, Martyrerkapelle


Otranto, Kathedrale, Martyrerkapelle
Für eine Dankmesse am 9. 9. hatte man die Marienfigur aus der Martyrerkapelle mit einigen Reliquien in das Kirchenschiff gebracht, und durch ein Kreuz ersetzt. 

(Es gab im von SELK-Studenten entwickelten Spiel "Nimbus Haereticorum" die Ereigniskarte: "In einer bayerischen Bergkapelle gelingt es dir, das letzte Kreuz durch eine Marienfigur zu ersetzen - 7 Pluspunkte" - oder so ähnlich. Ich konnte mich eines Schmunzelns nicht erwehren...)


Mit Marienbild sieht es so aus:




Die griechische Kreuzkuppelkirche St. Peter aus dem 10. Jahrhundert - sie erinnert daran, daß der heilige Petrus auf dem Weg nach Rom in Otranto an Land gegangen und dort Sklaven das Evangelium verkündet und sie getauft haben soll:



Otranto, San Pietro


Otranto, San Pietro


Otranto, San Pietro, Fußwaschung


Otranto, San Pietro, Abendmahl


Otranto, San Pietro


Otranto


Otranto, Santa Maria dei Martiri


Otranto, Santa Maria dei Martiri


Otranto, Santa Maria dei Martiri, Tafelbild

Otranto, Kanonenkugeln


Otranto, Kanonenkugeln


Otranto, Kanonenkugel modern


Otranto, Hafen


Otranto, Hafen
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