Samstag, 28. März 2020

St. Johannes Eppinghoven


Erst seit 1226 oder 1238 bestand in der damaligen Bauernschaft Eppinghoven eine Kapelle - selbst für rechtsrheinische Verhältnisse also sehr spät. Eppinghoven gehörte damals zur etwa drei Kilometer entfernten Pfarrkirche St. Nikomedes Götterwickerhamm. Vermutlich hat der Bevölkerungszuwachs im Hochmittelalter es nötig und möglich gemacht, in Eppinghoven eine Kapelle zu bauen.

Man weihte sie in gut gotischer Frömmigkeit dem "Eucharistie"-Apostel Johannes, dem Evangelisten. Dies sollte sich 300 Jahre später als prophetisch erweisen, wie später erläutert wird.

Nachdem Mechtilde von Holte(n) 1281 die Kapelle der Johanniterkommende in Walsum übereignet hatte, übertrug Graf Johann II. von Kleve 1349 den Johannitern auch das Patronatsrecht. 1450 baute man eine gotische Saalkirche mit Turm, die bis heute besteht.

Wann die Kapelle St. Johannes zur Pfarrkirche erhoben wurde, ist nicht belegt. Als einzige Pfarrei im Bistum Münster bestand hier das (schon 1685 als "seit undenklichen Zeiten" benannte) Recht, daß die Haushaltsvorstände den Pfarrer wählen. Dies geht nach mündlicher Überlieferung darauf zurück, daß der damalige Kaplan in Eppinghoven das Allerheiligste aus der Pfarrkirche St. Nikomedes Götterwickerhamm nach St. Johannes rettete und so hier ein Bekenntnis für den Glauben an die eucharistische Gegenwart des Herrn abgab, als man sich dort (erst) am 1. April 1625 entschieden hatte, geschlossen zur Reformation überzugehen.

Vermutlich wurde die dem heiligen Evangelisten Johannes geweihte Kapelle also um 1625 zur Pfarrkirche, denn die alte Pfarrkirche St. Nikomedes war ja "abhanden gekommen". 

Das Pfarrerwahlrecht wurde 1939 vom Bischof von Münster (übrigens kirchenrechtswidrig) darauf reduziert, daß man nun aus einer von ihm vorgelegten Dreierliste auswählen durfte, und ist mit der Fusion aller Dinslakener Pfarreien im Jahr 2005 erloschen.

Heute gehört die Kirche zur Pfarrei St. Vincentius Dinslaken.

Blick auf St. Johannes vom Scholtenhof (dem vermutlich ehemaligen Eppinghof):




Die heutige Kirche besteht aus der spätgotischen Saalkirche von 1450 und einem 1927-28 an diese angebauten "gotisierenden" Zentralbau von Hermann Merl, Wesel. Dieser nach Süden ausgerichtete "Anbau" ist wegen seiner Größe natürlich heute die eigentliche Kirche. Und ihn kann man nur als vollendet bezeichnen: 

Er bewahrt ehrfürchtig die alte Kirche, soweit es möglich war, und schließt an diese eine erhebende Sakralarchitektur an, deren Formensprache auch heute noch wirkt:










Kein Maßwerk (Steingliederung der Fenster) gleicht dem anderen.




Hier ein Blick auf den Chorraum der alten Kirche. Den Sockel hatte man noch aus Backsteinen gebaut. Dann hat es offenbar einen Spender gegeben, der (aus der zum Steinbruch gewordenen Römerstadt Xanten?) für die nächste Lage ein paar Wagenladungen Natursteine gestiftet hat. 



Dieses spätgotische Fenster(maßwerk) an der nordöstlichen Wand des modernen Anbaus ist aus der alten Kirche übernommen worden. Der Anbau erforderte natürlich, daß man Teile der alten Kirche abriß. Dieses Fenster hat man "ehrfürchtig" in den Neubau überführt.


Sakristei der alten Kirche mit Taubenschlag des Pastors im Giebel(?).









Sakristei:




Selbst die Dachrinnen und Fallrohre sind vom Architekten entworfen:



Natürlich auch die Türen, hier die zur Sakristei:







Das neue Hauptportal an der Nordwand der alten Kirche:




Blick in die alte Kirche mit neugotischer Ausstattung:




Aufgang zur Orgelbühne im Turm der alten Kirche:




Blick in die neue Kirche nach Süden:



Blick aus der alten Kirche ins östliche "Seitenschiff" der neuen:





Östliches Seitenschiff der neuen Kirche mit dem aus der alten übernommenen und oben erwähnten, gotischen Fenster (links):




Mariä-Schmerzen-Kapelle (?) im Südwesten der neuen Kirche:




Blick über den aus der alten Kirche übernommene Taufstein auf den neuen Altar der neuen Kirche:




Die Altarwand der neuen Kirche war wahrscheinlich das "Retabel" für den Hochaltar und erfüllt diese Funktion auch nach dem postkonziliaren Umbau:



Die Figur des Kirchenpatrons St. Johannes am rechten Chorzugang - zu dem Licht blickend, das er in Christus erkannt hat:


Der "gotisierend" genannte Anbau der 1920er Jahre lehnt sich nur in Einzelheiten an die Gotik an. Im ganzen ist er ein freier, moderner Bau, wie sich in dieser Kuppel zeigt:





Die (heutige) Sakramentskapelle. Man beachte die Gestaltung von Wand und Gewölbe:




Blick von der Sakramentskapelle nach Südwesten:




Im Chorraum - Blick aus dem östlichen Chorgestühl zum östlichen Südfenster:




Blick vom Altar auf die Orgelbühne - mit der Breil-Orgel von 1958:




Die Ausstattung der neuen Kirche ist weitgehend erhalten. Hier die Bänke:




Hier ein Beichtstuhl:




Und hier eine Tür im Südwesten:




Der Aufgang zur Orgelbühne durch den mittelalterlichen Turm aus der neuen Kirche gesehen:



Noch einmal die Mariä-Schmerzen-Kapelle (?) - jetzt mit Blick aus der Zentrale des Anbaus:




Selbst die Sakristeiglocke ist künstlerisch gestaltet:



Replik der 1981 gestohlenen Marienfigur von 1450:








Détail an der Nordwand der alten Kirche:


Montag, 23. März 2020

"St. Dennis" Walsum


An der Nordwestgrenze des Ruhrgebiets liegt Walsum, das, sehr zum Leidwesen seiner angestammten Einwohner, seit 1975 zur Stadt Duisburg gehört. Der schon recht friesisch klingende Name des Ortes bedeutet "Wal(l)sheim". 

Das alte Dorf mit seiner Kirche liegt zwischen zwei Welten: im Schatten eines das Ruhrgebiet mit Energie versorgenden Kohlekraftwerks und am Rande der Rheinaue. "Alt-Walsum" ist zur Randzone Walsums, eines typischen Ruhrgebietstadtteils, geworden. 

Kirchlicher Kern von Walsum ist die Pfarrkirche St. Dionysius. Sie ist um 800 gegründet worden, worauf ihr fränkisches Patrozinium hinweist, und geht damit auf die karolingische Zeit zurück. Sie gehörte damals zum Dekanat Duisburg und zum Archidiakonat Xanten.

Die Edelfrau Megthildis von (heute Oberhausen-) Holte(n) schenkte die Kirche (mit Patronatsrecht und dem Zehnten) 1281 dem Johanniterorden, der 1292 hier ein Ordenshaus (Kommende) gründete. Im Zuge der Säkularisation wurde die Kirche 1806 dem Orden enteignet (dessen katholischer Zweig inzwischen Malteserorden hieß). Das Patronat der Kirche ist seitdem auf den Staat (heute das Land Nordrhein-Westfalen) übergegangen.

Die heutige Kirche ist 1880-1883 errichtet worden - ein, wie damals üblich, typisch neugotischer Bau mit Charme. Er wurde im Zweiten Weltkrieg sehr beschädigt, aber man baute ihn danach (einigermaßen?) originalgetreu wieder auf. 

Die Ausstattung erfolgte im damals modernen Stil. Eine sparsame Renovierung vor wenigen Jahren bewahrte manches auch aus der Nachkriegs- und liturgischen Reformzeit der 1960/70er Jahre (Altar, Ambo, Orgel). Bei dieser Gelegenheit wurden die Bänke aus den Seitenschiffen entfernt, was dem Raum gut tut.

St. Corona sei Dank war die Kirche im März 2020 länger geöffnet als sonst, so daß ich hingefahren bin und Bilder machen konnte. Eine sehr nette Dame hielt Kirchenwache.

Auf dem Weg am Rande der Rheinaue:



Hier, an der Kaiserstraße, steht ein Hagelkreuz, dessen Korpus aus der Kirche in Halen  (zwischen Ruhrort und Neuenkamp) stammen soll, die 1595/96 bei einem Rheinhochwasser mit Eistreiben versunken ist. Der Korpus, sagt man, sei hier in Walsum an Land geschwemmt worden. Seit 1920 steht es am heutigen Ort. 2010 wurde der alte Korpus restauriert und in die Pfarrkirche gebracht (Bild unten). Heute befindet sich am Hagelkreuz eine Kopie aus Bronze.



Bemerkenswerterweise kreuzen sich nahe bei St. Dionysius die König- und die Kaiserstraße. Denn St. Denis bei Paris (einige Bilder hier) ist die Grablege der (west-) fränkischen (= französischen) Könige, nicht der (ost-) fränkischen (= deutschen) Könige und damit (heilig-) römischen Kaiser. :-) Die Straßenbenennung dürfte also in wilhelminischer Zeit erfolgt sein.


St. Dionysius vor dem Kühlturm des erwähnten Kraftwerks:




"Corona"-Bekanntmachungen am Westportal:






Die Kirche hat sogar ein voll ausgebautes Querhaus:






Marienkapelle im Südwesten:



Taufkapelle im Nordwesten:




Der originale Halener Kruzifix, der bis 2010 am oben erwähnten Hagelkreuz hing, befindet sich nun in der Turmhalle:


Bei der Verglasung der Fenster hat man in vielen das Johanniter-/Malteserkreuz als Zier verwendet, um an die Vergangenheit der Kirche zu erinnern:


Nach dem Besuch der Kirche habe ich einige weitere Bilder von außen gemacht:



Das Mauerwerk zeugt vom Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg mit beschränkten Mitteln:


Im Südosten hat man die Grundmauern des 1529/30 angebauten St. Johannes-Chors wieder sichtbar gemacht:



Wie es sich katholischerweise gehört, steht gegenüber der Kirche eine Kneipe. In Walsum ist es sogar eine historische Wacholderbrennerei - gewesen...



Vermutlich mittelalterliche und etwas mitgenommene Figur des heiligen "Dennis" an der Westfassade:



Stützmauern des (wohl gegen Hochwasser erhöhten) Kirchhofs:



Blick zum Kraftwerk:



Geht man von der Kirche in Richtung Rhein, kommt man wieder in den nichtindustriellen Teil des Niederrheins:


Gegenüber von Walsum liegt Orsoy (sprich: "Orsau") mit zwei Kirchen (normal und "evangelisch"). Die Orte sind mit einer Fähre verbunden: 



Blick zurück auf Kirche und Kraftwerk:




... und in die Rheinaue: