Freitag, 11. November 2022

Hildesheim


Stadt und Bistum Hildesheim wurden 815 von Kaiser Ludwig dem Frommen gegründet. Siehe hier und hier


Unter den frühen Bischöfen von Hildesheim ragen die heiligen Altfrid, Bernward (Erzieher der Prinzessin und späteren Kaiserin Theophanu) und Godehard wie auch Hezilo als prägende Gestalten hervor, die beachtliche Spuren hinterlassen haben.


Die Bischöfe waren auch weltliche Herren und gerieten naturgemäß in Konflikt mit der erstarkenden Bürgerschaft der Stadt. In der Reformation führte das dazu, daß die Stadt konfessionell gespalten wurde. Hildesheim wurde zu einem Diasporabistum.


Das Bistum hat seine einstige Bedeutung "rechtzeitig" verloren, so daß die Stadt einen beachtlichen Schatz an karolingisch-romanischen Kirchen birgt.


Im Zweiten Weltkrieg wurden die Altstadt und deren Kirchen durch Bomben fast völlig vernichtet. Die Kirchen wurden restauriert, die Stadt zunächst sparsam aufgebaut. Den Marktplatz hat man 1989 wiederhergestellt.


Durch die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten stieg die Zahl der Katholiken im Bistum Hildesheim um 2/3.


Ein Rundgang zu den Kirchen der Stadt und zum wiederhergestellten Marktplatz: 

(Entweder auf die Links im Text klicken, über die man dann weitergeführt wird, oder diesen Beitrag durchlesen und am Ende auf den weiterführenden Link zum Dom klicken.)


Von Westen kommt man über den Fluß Innerste, wo sich die Bischofsmühle befand, in die Stadt... 



... und erkennt hinter den Nachkriegshäusern den höchsten Kirchturm Niedersachens, nämlich den von St. Andreas (unten mehr dazu).




Auf dem Weg zum Dom liegt die Kirche St. Martini (heute Teil des Roemer-und-Pelizäusmuseums).



Von hier geht es hinauf zum Dom St. Marien:



Der Dom hat einen für "Ostfalen" typischen Sächsischen Westriegel:



Der nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaute Dom ist seit 2008 durchgreifend renoviert worden (abgeschlossen 2014). 



Besonders angetan hat es mir das Taufbecken:



Weitere Bilder vom Dom u.a. mit Bernwardstür und -säule, Godehardschrein und 1000jährigem Rosenstock


Östlich vom Dom befindet sich die Kirche Heilig Kreuz, die Bischof Hezilo aus einem von Bischof Altfrid errichteten Vorwerk (= wehrhafte Toranlage) errichten ließ:




Die Markt- und Bürgerkirche St. Andreas (nach St. Jacobi - s. u. - zweite Pfarrkirche der Stadt) ist heute die größte der Evangelisch-lutherischen Landeskirche von Hannover. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ist sie karg.




Der prächtige Marktplatz wurde nach der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg zunächst armselig neu bebaut. 1989 hat man ihn in seiner alten Gestalt rekonstruiert:


 


In dessen Nähe befindet sich die Kirche St. Jacobi, als Pilgerkapelle gegründet, dann Pfarrkirche der Altstadt, heute "Literaturhaus":




Bischof Bernward ließ auf einem Hügel im Westen der Stadt eine am 10. September 996 dem Heiligen Kreuz geweihte Kapelle errichten, an der ein Klerikerstift existierte. Später (1010?) machte Bischof Bernward das Stift zu einem Benediktinerkloster, dem er seinen ganzen Besitz vermachte. Er bestimmte die neu errichtete, am Michaelsfest 1015 geweihte Kirche zu seiner Grablege. Der Mönchschor befindet sich - für ein Männerkloster ganz ungewöhnlich - im Westen über dem Grab Bernwards.


Seit der Reformation ist die Kirche unter protestantischer Verwaltung. Der Benediktinerkonvent aber behielt die Krypta, bis er säkularisiert wurde. Sie ist bis heute der katholisch gebliebene Teil von St. Michaelis. (Hier zur komplizierten Geschichte.)





Entlang der Bernwardsmauer, der 993-1022 von Bischof Bernward erbauten Dombefestigung...




... geht es zur Basilika St. Godehard, der von Bischof Bernhard 1030 gegründeten zweiten Benediktiner-Abteikirche der Stadt, die übrigens als einzige alte Kirche der Stadt nicht zerstört worden ist:






... und an der Innerste entlang...


... ging ich nach St. Magdalenen. An der Straße zur Kirche steht ein neues Haus, teilweise aus Fachwerk, mit pietistischer Inschrift und einer Darstellung der Familie unter den Flammen des Heiligen Geistes:


"Nichts ist das mich von Jesu Scheiden nichts es sei Leben oder Todt, ich leg die Hand in seine Seite und sage mein Herr, mein Gott, mein Gott, ich bin in Christi blut machs nur mit meinen Ende gut"


St. Magdalenen war leider geschlossen.


Weiter zum Dom

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Donnerstag, 10. November 2022

Hildesheim Dom St. Marien


Der St.-Marien-Dom in Hildesheim (unter Kaiser Ludwig dem Frommen 815 gegründet) wurde im Zweiten Weltkrieg beinahe völlig zerstört, danach in einer älteren Form (Westwerk) wieder aufgebaut ist und 2008-2014 renoviert worden.


Von Westen her kommt man durch diesen Torbau zum Domplatz:








Der für "ostfälische" Kirchen typische Sächsische Westriegel des Doms ist beim Wiederaufbau wiederhergestellt worden.



Das Stufenportal aus der Zeit Bischofs Hezilos wurde beim Wiederaufbau von der inneren Westwand nach außen verlegt.




Am Nordwestportal, dem "Werktagseingang", befindet sich eine gotische Verkündigungsszene, bei der der Erzengel Gabriel an der Ecke steht und um dieser herum gucken muß:




Dazwischen sind (links) Bischof Godehard und (rechts) Bischof Bernward und der hl. Epiphanius von Pavia dargestellt:



Paradies im Norden des Querhauses; oben Christus, die Tür:



Die streng-schlichte Renovierung des Doms läßt diesen etwas museal erscheinen.



Die für St. Michael geschaffene Bernwardstür, vor der Renovierung als "Museumsstück" an der Westwand angebracht, ist nun wieder zu einem echten Portal gemacht worden. Man hat dazu einen neuen Zugang geschaffen und dafür die mittelalterlichen Mauern aufgeschnitten:





Blick ins Mittelschiff zum Hezilo- und zum Thietmarleuchter:



Das um 1226 von Wilbrand/Wilbernus gestiftete Taufbecken steht seit der Renovierung wieder im Westen. Für mich der Höhepunkt meines Besuchs:



Im Westen ist das Erblühen des Stabes Aarons dargestellt:


Im Süden sieht man den Kindermord in Bethlehem - mit verzerrten Mienen bei Tätern und Opfern:


Im Osten Christus mit klarer und entspannter Mimik - ein Bild der Erlösung:


König Salomo:


Darunter diese schöne Schlange als Griff:


Eine der vier die Paradiesflüsse darstellenden Trägerfiguren:


Die neuen Fenster:



Der Epiphaniusschrein im Nordquerhaus, darunter das Kopfreliquiar der heiligen Cäcilia:


Im Südquerhaus steht die unter Bischof Bernward für St. Michaelis geschaffene Christussäule, die dort nach der Reformation "rausgeflogen" ist:


Blick nach Westen zur Hauptorgel:


In der Krypta steht - genau unter dem neuen Hauptaltar des Domes - der Schrein des heiligen Godehard von 1140, einer der ältesten Reliquienschreine des Mittelalters:



Westlich davon befindet sich die neue Bischofsgruft, deren Mitte zwei freigelegte alte Bischofsgräber bilden:


Am Ostchor rankt - ein biologisches Phänomen - der 1000jährige Rosenstock, auf den die Gründung von Bistum und Stadt Hildesheim zurückgeht.


In der Mitte des Kreuzgangs (im Osten) steht die köstlich-zierliche Annenkapelle aus dem 14. Jahrhundert:


Das Tympanon über dem Portal stellt den göttlichen Erlöser, seine Mutter Maria und seine Großmutter Anna geradezu spaßig dar:



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