Donnerstag, 30. April 2020

St. Cyriakus (Dorfkirche) Hiesfeld


St. Cyriakus Hiesfeld, die evangelische "Dorfkirche", ist wahrscheinlich im 10. Jahrhundert gegründet worden und damit die erste Kirche auf dem Gebiet der heutigen Stadt Dinslaken. 1273 wurden dem benachbarten Dinslaken die Stadtrechte verliehen, was ohne eigene Pfarrkirche eigentlich nicht denkbar war. Doch für Dinslaken wird eine Kapelle erst 1390 erwähnt (St. Vincentius). Sie wurde erst 1436 von St. Cyriakus abgepfarrt. 1585 ging die Hiesfelder Pfarrei zur Reformation über und spaltete sich 1635 in einen größeren lutherischen und einen kleineren reformierten Teil. Als 1609 "die Preußen kamen" (das religiös tolerante Herzogtum Kleve war mangels Erbe an Brandenburg gefallen), befahl "der große Kurfürst" Friedrich Wilhelm 1649, daß beide Gemeinden die Dorfkirche als Simultaneum nutzen. 1821 fusionierten die Gemeinden in der Kirche der altpreußischen Union zu einer Pfarrei. 

(Informationen zum heiligen Cyriakus)

Übrigens sagen Protestanten (die konnten ja früher lesen) "Hiesfeld", Katholiken "Hißfeld", wie es im normalen Glauben "Dienslaken", bei den BrüderInnen der Reformation  aber "Dinnslaken" heißt. 

Der noch romanische Wehrturm stammt aus dem späten 12. Jahrhundert. Die gotische Saalkirche ist im 15. Jahrhundert erbaut worden, die Wände fußen auf den Tuff-Mauern des romanischen Vorgängerbaus, von dem ich aber nicht weiß, ob dieser die erste Kirche war oder erst mit dem Wehrturm im 12. Jahrhundert entstanden ist. Letzteres ist zu vermuten.

Nach Bränden und Kriegen wurde der heutige Chorraum im 16. Jahrhundert harmonisch angefügt und die Kirche so nach Osten erweitert.

Zunächst ein Gang um die Kirche herum, die auf einem Hügel liegt, was den Gedanken nahelegt, daß es hier eine germanische Kultstätte gegeben haben könnte:


Links das mittelalterliche Kirchenschiff, rechts der nachreformatorische Chorraum: 





Die Sakristei ist bei der Chorraumerweiterung neu gebaut worden:



Betritt man die Kirche, stößt man auf den feinen spätgotischen Taufstein (15. Jahrhundert, Baumberger Sandstein). Das kleve-märkische Wappen weist vermutlich auf den Stifter. Das Taufbecken wurde 1834 an die (katholische) Pfarrei St. Johann Hamborn verkauft und kehrte von dort 2014 als Dauerleihgabe wieder.



In das Innere der Kirche gelangt man unter einer ausladenden Orgelempore von 1824.


Auch hier erkennt man gut den Übergang vom gotischen Kirchenschiff zum nachreformatorischen Chorraum. Altar und Kanzel sind 1826 entstanden. Die zentrale Kanzel steht für die reformierte Tradition, die Form des Altars/Abendmahlstischs ist lutherisch.



Blick nach Westen mit drei holländischen Leuchterkronen aus dem 17. Jahrhundert (mit echten Kerzen) und zur Orgel (Führer 1970; nicht schön, musikalisch und handwerklich aber bestimmt ordentlich-neobarock).



Altar/Abendmahlstisch und Kanzel sind in reformierter Tradition mit goldenen Bibelinschriften auf schwarzem Grund versehen, wie sie in vielen niederländischen Kirchen in Gestalt der Gebote-Tafeln den sakralen Höhepunkt bilden...





Das gläserne Altarkreuz wurde 2018 von Alfred Grimm geschaffen und birgt Christusdornzweige. Das ist natürlich eine sehr auf das Leiden konzentrierte Aussage, wie es der reformatorischen Theologie entspricht. Davor kann man gut Karfreitag feiern, aber Ostern, Mariä Himmelfahrt...? Bei näherem und längerem Hinsehen ginge das vielleicht auch: Birgt und zeigt das Kreuz die Dornen doch wie ein Reliquienschrein. Künstlerisch finde ich es gelungen...



... diese Stücke (2005, 2015) hingegen...

Taufbecken (da war doch schon eins?) mit Osterkerzenständer:


und Lesepult/Ambo:



Die mittelalterlichen Fenster sind (vermutlich erst) im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden. 1912 wurden die Maßwerke renoviert und neue Fenster angeschafft, von denen das zentrale Nikodemus-Fenster als besonders kunstvoll beschrieben wird. Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg ist von diesen Fenstern nicht viel übrig geblieben. Die Reste wurden im Chorraum zusammengefügt. Unter diesen sind das Lamm (Christus) und die drei Nägel (seiner Kreuzigung) erwähnenswert, weil sie als bildliche Darstellungen auf die lutherische Traditionslinie der Gemeinde hinweisen.



Die Rosen-Schlußsteine im "neuen" Chor sind offenkundig kein Hinweis auf Luther (es fehlt das Kreuz). Die Rose ist ein Mariensymbol, bietet aber auch "ökumenische Zugänge".


In der ersten Etage des Turms befindet sich das "Turmmuseum", in denen u. a. die Gedenktafeln der mit dem Kirchspiel Hiesfeld eng verbundenen Adeligen Melchior von Köppern († 1793) und seiner Gemahlin Wilhelmina Clara († 1789) sowie die der Gefallenen  der Gemeinde aus dem ersten Weltkrieg befinden:



Oben im Turm erwarten den Besucher zwei echte Stars aus katholisch-mittelalterlicher Zeit: 

Die ältere Katharinen-Glocke (eigentlich ein "Tutti-frutti"-Patrozinium: Christus, Anna, Maria und Katharina, niederdeutsche Inschrift, Schlagton es') ist 1490 vom legendären Geert/Gerardus van Wou (sprich: "Wau") aus Nimwegen gegossen worden, der von Campanologen als der beste Glockengießer aller Zeiten bezeichnet wird.

1520 schaffte die Pfarrei die Marien-Glocke Glocke von van Wous Meisterschüler Wolter Westerhues (sprich: "huus") an - bei Veröffentlichung dieses Beitrags ist sie also ein 500jähriges Geburtstagskind (lateinische Inschrift, Schlagton d').

Die beiden Instrumente im Tonabstand einer kleinen Sekunde sind prächtig in Schuß und entfalten tolle Musik.

In der Turmhaube aus dem 16. Jahrhundert hängt die kleine "Meddagsschell", 1674 von Claudius Bricon gegossen. (100 kg, Schlagton fis'')




Weitere Informationen zu den Glocken (Hier sind die Daten zu den beiden großen Glocken zur Zeit noch - Stand: 1. 5. 2020 - vertauscht)

Auf dem Weg nach Dinslaken kommt man an diesem (ehemals) patriotisch-militaristischen Wirtshaus vorbei (zum "Namenspatron"):


Die Informationen habe ich zum Teil dem in der Kirche ausliegenden Informationsblatt von Dr. Ingo Tenberg "Die Dorfkirche Hiesfeld. Ein kleiner Spaziergang durch die Evangelische Pfarrkirche Hiesfeld" (Hiesfeld 2019) entnommen. Er hat auch dieses Buch über die Kirche herausgegeben: Die Dorfkirche Hiesfeld. Eine Reise durch die Evangelische Pfarrkirche Hiesfeld (ISBN-10: 3744896854; ISBN-13: 9783744896856)

Dienstag, 14. April 2020

"Deutsche Goldmünzen-Gesellschaft"-Werbung in den Funke Medien

Wegen einer betrügerischen Werbebeilage in der WAZ habe ich heute folgenden Brief abgeschickt. Neben dem im Brief erwähnten Beitrag der FAZ findet man auch hier Informationen über die "Deutsche Goldmünzen-Gesellschaft".

An die 
Funke Medien NRW GmbH
Jakob-Funke-Platz 1
45127 Essen

Werbebeilage einer „Deutschen Goldmünzen-Gesellschaft“ in der WAZ

Sehr geehrte Damen und Herren,

meine 78jährige Mutter ist Abonnent der WAZ und fand darin kürzlich die Werbebeilage einer „Deutschen Goldmünzen-Gesellschaft“.

Schon allein beim Blick auf die Werbebeilage erkennt man leicht die betrügerische Absicht: Münzmaterial und -gewicht werden nicht genannt. Mit einem der Stiftung Warentest nachgemachten Zerifikat bescheinigt sich diese Firma selbst (!) die Note 1,45 in der Kundenzufriedenheit. Der angebotene Rabatt von 77,5 % als „ganz besonderes Dankeschön“ (wofür?) läßt wenigstens unseriöses Geschäftsgebaren vermuten u.v.a.m. Und siehe da: Mit dem „Abrufschein“ bestellt man nicht nur die angebotenen beiden Münzen als Superschnäppchen sondern auch ein nicht weiter spezifiziertes Abonnement („ich nutze gerne den kostenlosen (!) Reservierungsservice und erhalte zur Ansicht weitere Ausgaben ,30 Jahre Deutsche Einheit‘ – mit vollem Rückgaberecht innerhalb von 14 Tagen.“)

Nach nur wenigen Klicks im Internet erfährt man auch, daß die Geschäftsadresse („Unter den Linden 21, 10177 Berlin“) nicht stimmt, daß es den unterzeichenden Andreas Bergmann nicht gibt und „sein“ Bild gestohlen ist. Die FAZ hat den Betrug bereits 2015 aufgedeckt: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/senioren-union-es-ist-alles-noch-viel-schlimmer-13862552.html

Indem Sie mit Ihren Zeitungen solche „Werbung“ zustellen, liefern Sie Ihre oft gutgläubigen älteren Abonnenten den Machenschaften von Betrügern aus. Das steht Zeitungen wie den Ihren mit ihrer Geschichte nicht gut zu Gesicht und ist schlicht unmoralisch. Meine Mutter kommentierte, als ich ihr von meine Nachforschung berichtete: „Das ist ja ein Ding, und sowas bei einer normalen Tageszeitung!“

Ich bitte Sie freundlich, keine Geschäfte mehr mit solchen und und ähnlichen Werbekunde auf Kosten Ihrer Leser zu machen. 

Da der Fall von allgemeinem Interesse ist, werde ich diese meine Beschwerde und gegebenenfalls auch Ihre Antwort im Internet unter www.adtiliam-blogspot.com veröffentlichen.

mit freundlichen Grüßen

Ulrich Terlinden


Bis jetzt ist keine Antwort eingegangen.

Freitag, 10. April 2020

Digitale Exultetrolle

In meiner späten, wilden Jugend in den 1990er Jahren habe ich das Ex(s)ultet (Osterlob), dessen deutsche Übersetzung Erwin Bücken SJ im "tonus solemnior" gesetzt hat ("Das Osterlob"), mit eigenen Bildern zu einer Exultetrolle verarbeitet, wobei sowohl beim Text als auch bei der Vertonung kleine Korrekturen vorgenommen habe.

Heute habe ich Text und Noten neu gesetzt und die alten Bilder eingefügt: