Freitag, 2. April 2021

St. Bruder Klaus Köln-Mülheim

In der 1948 gegründeten Bruder-Klaus-Siedlung in Köln-Mülheim (auf der „schäl Sick“) steht die 1957 geweihte Kirche St. Bruder Klaus, erbaut vom Architekten Fritz Schaller. Übrigens ist dies die Heimat des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Kardinal Woelki.


Informationen hier und hier.


Der Bau ist einerseits ästhetisch seiner Zeit voraus, wirkt er doch zehn Jahre jünger. Andererseits dient er noch den liturgischen Regeln „vor dem (Zweiten Vatikanischen) Konzil“: Er ist geostet, weist eine Kultachse auf, hat einen ordentlichen „Schlachtopferaltar“ (für Bielefelder: Das war ein Witz!), um den sich die Gemeinde (zwar schon) an drei Seiten versammeln kann, aber an dem der Priester (noch) an der Westseite zu stehen hat, wie der Altarstein zeigt.


Über dem quadratischen Grundriß erhebt sich ein langgezogenes Sechseck als "Obergaden", dessen Fenster von Georg Meistermann stammen (1964). Die Fenster im Erdgeschoß (und in Erdfarben) hat Rudolf Krüger 1957 erschaffen.


Bilder:




Das Sechseck zieht sich als architektonische Idee durch (und so etwas kann nerven...)





Vom südlichen Hauptportal her trifft man auf dieses Weihwasserbecken:



Blick auf den Hochaltar:






Die Bilder sind an einem Karfreitag aufgenommen worden, wie man bei diesem Blick auf den edlen Altar sieht:



Blick vom Ort des Chores im Nordosten zur Altarwand:



Das Sakrarium:



Die Kanzel (!):


Die Orgel (Klais, 17 Register):


Die Westwand mit dem Meditationsbild des heiligen Nikolaus von Flüe:


Sechseckdétails im Obergaden:


Die siedlungsabseits gelegene Westfassade:


Charmantes Détail vom "Dorfplatz" bei der Kirche:

Mittwoch, 31. März 2021

"Crux fidelis" deutsch (zur Kreuzverehrung am Karfreitag)

Der Hymnus "Crux fidelis" in der offiziellen deutschen Übersetzung ("Heilig Kreuz, du Baum der Treue") mit den originalen Choralnoten findet sich hier.


Quelle (hinunterrollen bis "Karwoche")


Besonderen Charme entfaltet die deutsche Fassung, wenn man sich in etwa an den Sprechrhythmus hält, so daß die Zweiergruppen der Noten (pes und clivis) etwa doppelt so schnell und die Dreiergruppen (torculus) als "Triolen" noch etwas schneller gesungen werden.

Dabei halte man sich aber nicht sklavisch an den "Takt" des Textes, sondern bewahre zwischen diesem und der Choralmelodie eine "sensilble Spannung". 


Die Datei beidseitig auf ein DIN A4-Blatt ausdrucken, dieses Falzen und auf 20 x 12,5 cm beschneiden. Dann hat das das Blatt den Goldenen Schnitt und paßt ins Graduale. 


Dienstag, 9. März 2021

St-Denis (Abteikirche/Kathedrale) - Ursprung der Gotik


Nördlich von Paris liegt die ehemalige Abteikirche (heute Kathedrale) St. Denis (= Dionysios/Dionysius). In dieser "Königsabtei" (OSB) empfingen die westfränkisch-französischen Könige die Oriflamme, um in den Krieg zu ziehen, und wurden (meist) hier begraben.


Als Anfang des 12. Jahrhunderts das französische Königreich auf einen kleinen Rest zusammengeschmolzen war, standen hier drei geniale Männer an der Wiege eines staatlich-geistlich-architektonischen Neubeginns und damit der Gotik: König Ludwig VII. (der Junge), Abt Bernhard von Clairvaux und Suger, der Abt von St. Dionysius / St-Denis.


Gleich drei heilige Dionysiusse waren damals zu einem verschmolzen und boten die Kraft für den Neuanfang: 

- Dionysius Areopagita, der sich nach einer Predigt des Apostels Paulus zum Christentum bekehrte, 

- ein namentlich nicht bekannter (Pseudo-)Dionysius, Verfasser "lichtmetaphysischer" Schriften, die auf die Entstehung der Gotik entscheidenden Einfluß gehabt haben, 

- und Dionysius von Paris, Missionar Galliens und erster Bischof von Paris. Dieser wurde mit seinen Gefährten auf dem "Montmartre" (mons martyrum = Berg der Martyrer) enthauptet und trug sein Haupt an den Ort, wo er begraben werden wollte und wo heute seine Kirche steht.


Abt Suger wollte dem Wiederaufstreben des französischen Königreichs mit einem neuen königlichen Kirchenbau ein geistlich sichtbares Fundament verschaffen und ließ die alte Abteikirche mit großem Aufwand neu erbauen. Dabei strebte er eine von "Pseudo-Dinoysius" inspirierte "Lichtarchitektur" an und ließ die Gebeine der zuvor "begrabenen" Heiligen und Könige ans Licht heben. Es entstand eine "Reliquiar"-Architektur, in der die Gebeine ihren Platz nun nicht mehr im Untergrund, sondern im Licht und (falls heilig) auf den Altären haben.


Die Westfassade (man denke sich den Turm weg) erinnert - altehrwürdig - an ein römisches Stadttor. Dieser 1138 errichtete erste "gotische" Versuch enthält übrigens bereits eine Fensterrose, die große "Erben" hervorbringen wird:



Das mittlere Westportal:







Die Kirchentür Sugers ist bis heute erhalten:



Suger läßt sich darauf stolz verewigen (recht unfromm für einen Mönch) und schreibt - übrigens in klassisch-antiken Lettern:


"Portarum quisquis attollere quaeris honorem,

Aurum nec sumptus, operis mirare laborem.

Nobile claret opus, sed opus quod nobile claret

Clarificet mentes, ut eant per lumina vera

Ad verum lumen, ubi Christus janua vera.

Quale sit intus in his determinat aurea porta:

Mens hebes ad verum per materialia surgit,

Et demersa prius hac visa luce resurgit."


Übersetzung:

"Wer Du auch immer bist, der du danach trachtest, den Ruhm der Türen zu erheben,

bewundere das Gold und nicht die Kosten, die Mühe des Werkes:

Herrlich strahlt das Werk; aber das Werk, was herrlich strahlt,

möge erhellen die Geister, so dass sie gehen durch die wahren Lichter

Zum wahren Licht, wo Christus die wahre Tür ist.

Wie beschaffen es sei in diesen, bestimmt die goldene Pforte:

Der schwache Geist erhebt sich zum Wahren durch die materiellen Dinge,

und der früher ins Verderben Gesunkene erhebt sich, nachdem das Licht gesehen ward, aufs neue."


(Quelle)





Nördliches Westportal:



Südliches Westportal:




"Arbeitsbilder" am südlichen Westportal - Darstellungen der menschlichen Arbeit in den zwölf Monaten (hier die drei oberen links):



Détail am südlichen Westportal:


Das 1138 errichtete Westwerk ist der erste "gotische" Versuch einer lichtmetaphysisch inspirierten architektonischen "Klarheit" - aber noch in der Spätromanik steckengeblieben. Der Durchbruch sollte 1140 im Chorumgang gelingen (s.u.):


Schiff und Nordrose aus dem 13. Jahrhundert:






Hochchor (unten die "erstgotischen" Chorkapellen von 1140 - später mehr dazu):



Mittleres Hochchorfenster mit dem enthaupteten heiligen Dionysius:



Die merowingische Krypta und Königsgrablege wurde in den gotischen Bau übernommen:





Von dort steigt man auf ins "gotische Licht":


Der gotische Hochaltar (die Fenster des Chorumgang waren gerade wegen Restaurierungsarbeiten durch Imitate aus Kunststoff ersetzt):




Die Chorkranzkapellen Sugers von 1140 - der Ursprung der Gotik:




Blick von Osten auf den Reliqienschrein des Hochaltars:


Altar in der nördlichen Chorkapelle: 


Königsgräber:









Dieses oben noch vital-rosig betende Herrscherpaar... 


... verwest im Untergeschoß stilvoll vor sich hin:



Die Kirche von außen:


Nordfassade:



Nordportal:





Nordrose:



Die Chorkapellen Sugers von außen:



Die Königsabtei ist - republikanisch verfügt - ziemlich scheußlich umbaut: