Sonntag, 12. Mai 2013

Gotik macht glücklich

Es war mal wieder dringend Zeit für ein gotisches Vollbad. Seit meiner Studentenzeit bin ich alle paar Jahre nach Frankreich gefahren, um die Kathedralen zu sehen. Chartres, meine liebste, durfte nie fehlen, oft habe ich hier Quartier genommen. Eine ganze Exerzitienwoche mit meinem Weihekurs war umwerfend gut. Nun denn: Im Kalender tat sich eine Woche auf, in der es mal wieder möglich war, und ich fuhr nach Frankreich - doch zu einem neuen Ziel.


In Frankreich Auto zu fahren macht übrigens großen Spaß: Die schnurgeraden Straßen, die König Ludwig XV. hat bauen lassen, gehen ohne Rücksicht auf Berge und Täler über beachtliche Steigungen und Gefälle. Der Franzose liebt seinen Vater Staat, und so liebt dieser auch ihn: Radarfallen werden grundsätzlich durch Schilder angekündigt und sind durch gelb-schwarze Markierungen deutlich zu sehen. Das nenn ich sportlich!


Im Radio hörte ich – auch um mein Französisch zu schulen – Radio Notre Dame, den Sender des Erzbistums Paris. Er scheint landesweit über Antenne empfangbar zu sein. Ich habe zwar nicht alles verstanden, aber es fiel auf, daß es meist um theologische Themen ging, über die man sich mit Experten unterhalten hat: Was bedeutet Christi Himmelfahrt? Was sind die Unterschiede zwischen den Konfessionen? Was für eine Philosophie hat der Isalm hervorgebracht? Erfrischend! Und jeden Tag ein Wort eines französischen Bischofs. Auch scheint der Sender mit den Protestanten eine Vereinbarung zu haben: Jeden Tag gibt es eine Stunde (?) „Radio Protestante“. Und die französischen Nachrichten von Radio Vatikan werden übernommen. So macht man das!


Quartier bezog ich dieses mal nicht in Chartres, sondern in Laon (in einem angenehm klüngeligen Hotel mit französischem Frühstück...). Die Kathedrale hatte ich schon zweimal gesehen, aber einmal hier zu wohnen und richtig Zeit für diesen frühgotischen Dom zu haben, das reizte mich. Der Dom ist ein Bau aus Licht und Geist, bemerkenswert einheitlich für eine so alte Kirche. Natürlich waren Wände und alle Fenster ursprünglich farbig, aber auch im heutigen Zustand gefällt sie mir sehr.





Die berühmten Ochsen in den Türmen:





Man kann Vierungstürmen eine gewisse Wirkung nicht absprechen - bei künftigen Kirchenneu- und umbauten sollte man das bedenken (das "hebt"!): 







Nachdem ich mich einen Tag diesem wunderbaren Gotteshaus gewidmet hatte, fuhr ich am zweiten Tag nach Reims. Dort war der hl. Remigius Bischof, der den Frankenkönig Chlodwig getauft und so an der Wiege des christlichen Abendlandes gestanden hat. Es war ein dunkler und regnerischer Tag, daher sind die Bilder sehr mystisch... Also dann, hier die KATHEDRALE VON REIMS:


Apostel im Dialogprozeß am Nordturm:



Und auch die Engel quatschen:




Die berühmte Verkündigungsszene (Maria und Erzengel Gabriel) - mit dem ersten Lächeln seit dem Ende der Antike (nun ja, eher noch ein Grinsen, aber ein Anfang ist gemacht). Man beachte die erhaltene Farbe:







Remigius hat auch die Diözese Laon gegründet und liegt in der ehemaligen ABTEIKIRCHE (heute Basilika) IN REIMS begraben:


Die Taufszene:






Die Leuchterkrone mit 96 Kerzen - für jedes Lebensjahr des heiligen Remigius eine:



Das Grab des heiligen Remigius...



... im Hochchor (unten im Bild das Ostende des Grabes):



Von hier aus habe ich an Christi Himmelfahrt eine Tour zu vier Kathedralen in der „Nähe“ gemacht. Zuerst ging es nach Soissons.


Sowohl dort als auch am Vorabend in Laon (in einer Guitarren-Schrummelmusik-Messe) erlebte bemerkenswerte Liturgiefeiern: Wie außerhalb Deutschlands üblich, kamen natürlich alle Lesungen, Antwortpsalm und Halleluja zu ihrem Recht. In beiden Messen (auch in der am Vorabend, obwohl deren Hauptzelebrant im gefährlichen Alter zwischen 60 und 70 war) gab es Schuldbekenntnis (Form A) und Kyrie. Der jünger Priester, der in Soissons die Messe feierte, trug ein ganz schönes Meßgewand (der Franzose ist die Mutter der Sackalbenfanatiker, muß man wissen), die Messe war mit Weihrauch, und ich staunte nicht schlecht, als er nach der Wandlung Daumen und Zeigefinger geschlossen hielt. Hat er etwa hier nachgelesen? ;-) Dazu kam, daß die mitfeiernden Gläubigen einen erfreulichen Altersdurchschnitt hatten - dazu einen auffallenden Anteil an Maximalpigmentierten. :-D





In der Kathedrale von Soissons hängt übrigens ein Rubens:



Dann fuhr ich weiter nach Meaux ...




... nach Senlis ...




Ein Löwe in der Chorscheitelkapelle (Der Dienst frei vor der Wand, der Löwe drumherumgewunden - das ist gekonnt):



... und schließlich nach Noyon





Am letzten Tag durften St-Denis (St. Dionysius, Königsgrablege und –abtei) und Paris nicht fehlen:


St. Denis (hier wurde die Gotik erfunden):


Abt Suger hat sich ganz bescheiden im Hauptportal verewigen lassen:



Der erste Versuch des neuen französischen Königstils im Westwerk 1138 war dann doch subobtimal ("Sieht ja aus wie immer, quasi romanisch - bäh!"):



Dann aber hats 1140 geklappt: Gott ist Licht! ("Dä!")





Und auch die spätere Vollendung des Langhauses kann sich sehen lassen:



Wie gesagt: Die ehemalige Abteikirche (jetzt Kathedrale) ist Grablege der fränkisch-französischen Könige seit Dagobert:



König im ewigen Licht:




Nun ja, auch Paris durfte nicht fehlen. Die Stadt ist schon klasse, wenn nur die vielen Touristen nicht wären... 


Und die Kathedrale NOTRE DAME ist zwar eine schöne und beeindruckende Kirche, aber die vielen Besucher verderben einem das Vergnügen.


Adam an der Westfassade, wie deutlich zu erkennen, nach dem Sündenfall:






Ludwig IX., der Heilige, hat für die Dornenkrone Christi, die er dem byzantinischen Kaiser abgekauft und barfuß in die Kathedrale getragen hat, dann diese Kapelle in seinem Palast errichten lassen: Paris, Sainte-Chapelle





Auf dem Hinweg bin ich über ANTWERPEN gefahren, eine der wenigen katholischen Hansestädte mit einer siebenschiffigen (!) Kathedrale, die eine bewegte Geschichte hat. Einige Eindrücke:






Hier hat Peter Paul Rubens zwei Altäre mit Retabeln ausgestattet, die, liebt man den Barock, alleine die Reise lohnen:


die Kreuzaufrichtung im Nordquerhaus:



und die Kreuzabnahme im Südquerhaus:



Auf dem Rückweg habe ich die St- Leonardus-Kirche im belgischen ZOUTLEEUW besucht. Hier ist man offenbar jahrhundertelang nach dem Pauluswort vorgegangen: "Prüfet alles, das Gute behaltet!" Meine Güte, das ist mal ein Bildersturm der ganz andern Art! Der Ort hat heute gut 8000 Einwohner, aber eine Kirche, das ist einfach nur FETT!! Seht selbst:


Sakristei:



Rathaus:



Taufbecken:



Weihwasserbecken:



Strahlenkranzmadonna:



Triumphkreuz:




Osterleuchter (!):




Sakramentshaus (!!!):




Hochaltar (!!!):




Seitenkapellen:




zu: Mariä Himmelfahrt in Frankreich


zu: Tour de France


zu: St-Denis (Abtei/Kathedrale St. Dionysius)


zu: Paris, Notre-Dame


zu: Chartres, die Krone des Abendlands


Ulrich Terlinden, Die Theologie der gotischen Kathedrale (PDF)



Übersicht der auf diesem Blog dargestellten Orte




Freitag, 15. Februar 2013

Ach, nö...

... dann doch lieber saufen. ;-)

Montag, 1. August 2011

Himmel und Hölle

aus: C. S. Lewis, Die große Scheidung, Johannes-Verlag 102003

»Und darum werden am Ende aller Dinge, wenn hier die Sonne aufgeht und dort unten das Zwielicht zur Nacht wird, die Seligen sagen: „Wir haben niemals anderswo gelebt als im Himmel“, und die Verlorenen:  „Wir waren immer in der Hölle.“ Und beide werden die Wahrheit sagen.«
»Herr, ist das nicht sehr hart?«
»Ich meine, daß dies der eigentliche Sinn dessen ist, was sie sagen werden. Die tatsächliche Sprache der Verlorenen, die Worte, die sie brauchen, werden zweifellos anders lauten. Der eine wird sagen, er hat immer seinem Vaterland gedient, ob es im Recht war oder im Unrecht; ein anderer, daß er alles der Kunst geopfert hat; einige, daß sie sich niemals haben beschwatzen lassen, einige, daß sie, Gott sei Dank, immer auf den Mann an der Spitze gesehen haben, und beinahe alle, daß sie wenigstens sich selbst treu geblieben sind.«
»Und die Erlösten?«
»Ach, die Erlösten ... was denen geschieht, läßt sich am besten als das Gegenteil einer Fata Morgana beschreiben. Was, als sie es betraten, wie das Tal des Jammers aussah, das stellt sich beim Zurückblicken als eine Oase heraus; und wo die Gegenwartserfahrung nur Salzwüsten sah, da verzeichnet das Gedächtnis wahrheitsgemäß Brunnen lebendigen Wassers.«
»Dann haben also jene Leute recht, die sagen, Himmel und Hölle seien nur Gemütszustände?«
»Still«, sagte er streng. »Lästert nicht. Hölle ist ein Gemütszustand – Ihr habt nie ein wahreres Wort gesprochen. Und jeder Gemütszustand, jedes sich Verschließen des Geschöpfes in dem Verließ seines eigenen Gemüts –, ist am Ende Hölle. Aber der Himmel ist kein Gemütszustand. Himmel ist Wirklichkeit selbst. Alles, was ganz wirklich ist, ist himmlisch. Denn alles Erschütterliche soll erschüttert werden, auf daß da bleibe das Unerschütterliche.« 

Sonntag, 20. März 2011

Paramente am Karfreitag

Durch die Anfrage eines Freundes habe ich mich mit den Paramenten beschäftigt, die zur Liturgie vom Leiden und Sterben des Herrn am Karfreitag getragen wurden. Falls jemand mal die gleiche Frage hat und danach gugelt, setze ich das Ergebnis ins Netz:


Nach dem Schott von 1941 - vor allen neuzeitlichen Reformen - tragen Priester, Diakon und Subdiakon zu Beginn Kasel, Dalamtik und Tunicella in schwarzer Farbe. Zur Kreuzenthüllung legt der Priester das Meßgewand ab. Für die Missa Praesanctificatorum (Kommunionfeier) wird er es sicher wieder angelegt haben, aber der Schott sagt nicht, wann; ich vermute, bevor das Allerheiligste geholt wird.


Im Missale von 1957 (also nach der Reform der Karwoche unter Pius XII.)  ziehen Priester, Diakon und Subdiakon nur mit Amikt, Albe, Zingulum und schwarzen Stolen (außer beim Subdiakon) ein. Sie legen zu den Fürbitten Chormantel (!), Dalmatik und Tunicella in schwarzer Farbe an, die sie zur Kreuzenthüllung wieder ablegen. Nach der Kreuzverehrung legen sie violette Stolen und Gewänder an; der Priester trägt Kasel.


Im Missale Pauls VI. von 1969/70 dann trägt der Priester von Anfang bis Ende ein rotes Meßgewand. Edle Einfalt, stille Größe...


Übrigens: In Mailand hat man im 12. Jh. am Karfreitag Rot getragen.

Freitag, 4. März 2011

Im Himmelreich

Im Radio hörte ich vergangene Tage ein wunderschönes schwedisches Lied, an dessen Strophenenden vom "Herre Zebaoth" die Rede war. Die Melodie und das schlicht-ergreifende Arrangement (echt mittelalterlich mit Harmonium und Geige...) ließen mich nicht mehr los.

Wie gut, daß es das Netz gibt: Ich schaute beim Sender nach, wie das Stück hieß, und fand eine fast gleiche Einspielung der Gruppe "Triakel" im Netz:


Das Lied heißt "i himmelen" und wird auch als "Allerheiligenpsalm" bezeichnet. Der Dichter der Verse ist ein Laurentius Laurenti(i) (Laurinus), Lorenz Lorenzen, von denen es gleich zwei oder drei gegeben zu haben scheint, die alle lutherische Pfarrer (præst) im Norden gewesen sind.

Den schwedischen Originaltext und verschiedene Fassungen findet man hier.


Inzwischen habe ich die Übersetzung von Wilhelm Thomas aus dem nordelbischen Gesangbuch bekommen, wo das Lied vier Strophen hat. Daran angefügt habe ich zwei Strophen in der Übertragung von Edvard Grieg. Hier nun also das Ergebnis:




2. Im Himmelreich, im Himmelreich,
wie strahlt das Licht so rein
– die Sonne kommt ihm nimmer gleich
im schönsten Mittagsschein –,
die Sonn’, die niemals wieder geht
und ewig unverdunkelt steht:
der Herre Zebaoth.
3. Im Himmelreich, im Himmelreich
kein Leid, kein Not, kein Pein,
kein Tod, keine Vergänglichkeit,
desgleichen darf nicht sein.
Da wird uns Freud und Seligkeit
und Fried und Unverweslichkeit
vom Herren Zebaoth.
4. Im Himmelreich, im Himmelreich
ist uns das Heil bereit’,
desgleichen nie ein Mensch erfuhr
auf Erden weit und breit,
was nie ein Aug noch Ohr vernahm,
in keines Menschen Sinn auch kam:
o Herre Zebaoth.
5. Der schwache Leib, der schwache Leib
in finstrer Erde Nacht,
der ward so schimmernd durch und durch,
gleich lautren Goldes Pracht.
Und weiß nicht mehr von Weh und Wund,
dieweil er Aug in Auge stund
dir, Herre Zebaoth.
6. Und meine arme Seele schmückt,
wie es ihr prophezeit,
der Brautkranz der Gerechtigkeit,
das leuchtend weiße Kleid.
Ach selig, wer dir nahe ist,
im Licht zu schaun dich, wie du bist,
mein Herre Zebaoth.

T. Laurentius Laurentii (Laurinus) 1622
Übersetzung: Strophen 1-4: Wilhelm Thomas, Gesangbuch der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche Nr. 643; Strophen 5+6: Edvard Grieg

Samstag, 26. Februar 2011

Osten

Wenn jemand mal eine Kirche nach julianischem Kalender osten will, kann er hier nachlesen, wie man's macht.

Und hier kann man herausfinden, welche Richtung die Baulinie für den jeweiligen Standort und das Datum des Patroziniums bekommen muß, wenn man sich nach dem gregorianischen Kalender richten will.

Geht doch!

Sonntag, 6. Februar 2011

Voll-Tatoo

Ein befreundetes Ehepaar war heute zum ersten mal in der Kevelaerer Marienbasilika. 

Sie meinte zu Ihrem Mann: "Hey, die Kirche hat ja ein Voll-Tatoo!"

Ich meine, manches Tatowierungsinstitut könnte hier Muster für katholische Kunden finden.


Mittwoch, 29. Dezember 2010

Totenbild von 1943

Gerade habe ich beim Aufräumen ein Totenbild von 1943 gefunden. Eines von unzähligen Schicksalen. Es verschlägt einem dennoch die Sprache. Wir können für den Frieden gar nicht genug danken - und darum beten, dafür wirken.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Bruder-Klaus-Kapelle

Die Kapelle in Mechenich-Wachendorf ist ein auf Privatinitiative des Bauern Scheidtweiler von dem berühmten schweizerischen Architekten Peter Zumthor aus Lehm errichtet - unglaublich einfach, ja archaisch: Es wurde eine Pyramide aus Baumstämmen errichtet, um diese herum Lehmschichten gestampft, durch die Stahlrohre laufen, die eine Lichtverbindung zum Innenraum herstellen. Die Bäume wurden dann ver- und der Lehm dadurch gebrannt. Der Raum ist innen roh und durch den Brand geschwärzt. Es riecht noch nach Rauch. Oben beleuchtet ein offenes, flammenförmiges Loch den Raum. Als ich da war, regnete es und im Raum tröpfelte das Wasser hörbar in den stillen, dunklen Raum, in den durch das Loch in der "Decke" von ferne die Außengeräusche dringen.
An der Wand ist vergoldet das Meditiationssymbol des hl. Nikolaus von Flüe (Bruder Klaus) hoch an der Wand angebracht. Gegenüber eine niedrige, schmale Bank. Eine Büste des Heiligen, eine Gelegenheit Kerzen zu entzünden. Das war's. Überhaupt nicht volkstümlich zwar, aber mich hat der Bau als Andachtsraum überzeugt. Die folgenden Bilder sind viel schlechter als diese hier.




Rolduc

Es war mal wieder Zeit für einen Ausflug. Dieses Mal nach Nederland zur ehemaligen Abtei Rolduc (Kerkrade; "Rolduc" kommt von der französischen Übersetzung von "Herzogenrath"), heute Sitz des Priesterseminars des Bistums Roermond ("Rurmond" - der namengebende Fluß heißt in Deutschland Rur und in den Niederlanden Roer, was auch "Rur" ausgesprochen wird.)

Die Kirche ist wunderbar "vollständig":