Donnerstag, 7. Mai 2009

Celle und die Heide

Hatte mich mein letzter Kurzurlaub an die Ostgrenze des karolingischen Reiches geführt, habe ich nun den Schritt ins Ostsächsische gewagt – nach Celle und in die Heide.

Ich bin begeistert: Celle war Residenzstadt der welfischen Herzöge und hat ein ansehnliches Schloß, dessen Besonderheit die spätgotische Schloßkapelle ist. Diese wurde nach der Reformation üppigst neu ausgestattet, um die neue Lehre – und natürlich die Bedeutung des Hofes – zu illustrieren. Diese Ausstattung aus den 1580er Jahren ist inclusive Orgel vollständig und unverändert erhalten.

Bild am Kapelleneingang: Die "neue Kirche" wird von der alten (links) und dem als Engel getarnten Teufel (rechts) versucht, zum alten Glauben zurückzukehren:


Die Stadtkirche St. Marien ist eine spätgotische Halle, die im 17. Jahrhundert eine barocke Umgestaltung erfahren hat. Da sie herzogliche Grablege war, hat man auch hier höchstes Niveau an den Tag gelegt. Vor allem der aufgeräumte und meisterhaft proportionierte Chorraum hat es mir angetan. Seit 15 Jahren besteht ein „Raum der Stille", der, wie mir ein Kustode sagte, vor allem von jungen Leuten rege zum privaten Gebet genutzt wird – wie ich es auch beobachten konnte.




Celle, Altstadt und katholische Kirche St. Ludwig:


















Eine eigene Reise wert ist das Kloster Wienhausen. Eine nach zisterziensischem Geist lebende Frauengemeinschaft, die – wie fünf andere Heideklöster auch – die Reformation nicht annehmen wollte, dazu aber gezwungen wurde, lebte hier – und tut es in Form eines protestantischen Damenstiftes immer noch.

Ich hatte das Glück, an einer drei-Personen-Führung teilzunehmen, die neben einer neuen Führerin die Priorin des Klosters begleitete. Sie schwärmte davon, wie schön es sei, an einem solchen Ort leben zu können – „fast wie im Himmel.“

Kloster Wienhausen hatte zu katholischen Zeiten eine Heilig-Blut-Wallfahrt. Das Gnadenbild ist ein Auferstehender, durch dessen Seitenwunde die Reliquie minimal sichtbar war. Das wunderbare Bild (das Kloster ist voll von Darstellungen des Auferstehenden) ist heute auf dem Altar der Andachtskapelle im alten Armarium, in dem die Gemeinschaft regelmäßig zum Gebet zusammenkommt.

Das Kloster ist eine zu großen Teilen erhaltene gotische Anlage, einschließlich Inventar und Bemalung. Spektakulär ist der Nonnenchor – vollständig in mittelalterlicher Ausstattung und Malerei erstklassig erhalten.

Heiliges Grab für die Karliturgie:




Unten wurde nach der Gründonnerstagsmesse das Allerheiligste deponiert:






























Fenster im Kreuzgang:
















Der Nonnenchor:













Der berühmte Auferstandene, ehedem Heilig-Blut-Reliquiar:




Eine Reise über Land führte mich in manche Heidedörfer, so Munster (als A-d-W-Standort der Bundeswehr bekannt) und Müden. Wenn man sehen will, wie Kirchen im Spätmittelalter ausgesehen haben, muß man die alten lutherischen Kirchen besuchen, wie Munster, St. Urbani (Informationen)...






























... und Müden, St. Laurentius:
















Wenn auch Emporen den Raum verändert haben, ist doch der Grundeindruck der eines lange durchbeteten und mit Respekt bewahrten heiligen Raumes.



Sonntag, 3. Mai 2009

Antwort an den WDR

Auf diese Reaktion des WDR auf diese Kritik erging folgendes Schreiben:

(...) Der in meinem ersten Schreiben gewählte Ton und die darin geäußerten Vermutungen haben Sie sehr überrascht, wie Sie schreiben. Erlauben Sie mir darum, Ihnen meinen Eindruck an zwei Beispielen zu erläutern, um damit zugleich die geschuldeten Belege für meine „polemischen Behauptungen“ nachliefern. Diese fallen nicht in Ihr Ressort, sind aber für den „Gesamteindruck“, den der WDR macht, von Belang.

1.   Nachdem der Papst in einem Schreiben an den Weltepiskopat die Aufhebung der Exkommunikation der Piusbruderschaft erläutert hatte, sendete der WDR in „Diesseits von Eden“ (an das Datum erinnere ich mich nicht mehr; Sie werden das im Archiv überprüfen können) einen geradezu wütenden Kommentar, der nicht nur um keinerlei Sachlichkeit oder gar Verständnis bemüht war, sondern wie ein „Gegenangriff“ daherkam, nach dem Motto, man lasse sich vom Papst das Denken nicht verbieten. (Das hat dieser Papst sicher am allerwenigsten im Sinn gehabt.)

2.  Die Darstellung der Rolle Papst Pius XII. in der Zeit der Judenvernichtung – ebenfalls in „Diesseits von Eden“ – war ein Neuaufguß uralter Beschuldigungen, nach dem Prinzip: Der Papst hätte mehr reden sollen, anstatt nur zu retten. Das sehen namhafte und vor allem auch jüdische Wissenschaftler und Zeitzeugen bis hin zum damaligen Rabbiner von Rom anders. In der Weihnachtsansprache von 1942 verdammte der Papst die Judenverfolgung; auf seine Weisung hin waren die Klöster und kirchlichen Gebäude Roms in der Zeit der deutschen Besatzung gerammelt voll von Juden, die es zu retten galt. Der Protest der niederländischen Bischöfe gegen die Judendeportationen hatte tödliche Folgen. Warum fordert man im Nachhinein, daß der Papst lauter seine Stimme hätte erheben sollen? Bereits 1928 hatte Papst Pius XI. den Antisemitismus offiziell verdammt, in den frühen 30er Jahren hatten alle deutschen Bischöfe die Mitgliedschaft in der NSDAP untersagt. Die Haltung der Kirche war also klar; positive Folgen für die Juden in dem Sinne, daß die Nazis eingelenkt hätten, hatte das nicht. Pius XII. hat deshalb nicht geschwiegen, aber wählte doch tendenziell das Prinzip: Retten statt Reden. Alles das läßt „Diesseits von Eden“ nicht gelten. Man kann Hochhuths Thesen meinetwegen wiederholen. Aber sollte man dann nicht auch die Gegenargumente so darstellen, daß man sich ein objektives Bild machen kann?

Ich habe als, wie ich meine, einigermaßen wacher Zeitgenosse und Radiohörer den Eindruck, der Papst ist für die deutschen Medien anscheinend immer noch der „reaktionäre Dogmatiker“, dem man mißtrauen muß. Dabei ist er ein Bote der wahren Menschlichkeit und des echten Friedens. Er ist ein brillanter Denker und Analytiker, der aus den Quellen der Theologie, der Philosophie und der Geschichte schöpft. Er hat die Situation des Menschen und der menschlichen Gesellschaft in unserer Zeit gut durchschaut. Und er will den Diskurs, den Dialog mit allen Menschen guten Willens, um des Wahren und Humanen willen. Außerhalb seiner Heimat und Westeuropas hat man das übrigens inzwischen viel besser erkannt. In Deutschland (Frankreich, England ...) hingegen bedient man weiterhin Vorurteile, um – so muß man doch wohl vermuten – die Menschen gegen die Kirche zu immunisieren; nicht gegen die Kirche, die Sozialprojekte betreibt, Kindergärten unterhält und Therapien anbietet; wohl aber gegen die Kirche, die, wenn nötig, auch Unbequemes und schwer Verständliches sagt und tut, um dem Menschen als ganzem zu dienen – vor allem seiner unsterblichen Seele.

Ich wünsche mir von den öffentlich-rechtlichen Sendern keine „Unterstützung“ der Kirche – das ist nicht Ihr Auftrag –, wohl aber Sachlichkeit und fachkompetente Aufklärung komplizierter Sachverhalte. Und hier habe ich gerade um die „beiden Piusaffären“ herum, aber nicht nur da, viel Enttäuschendes gehört. Das ist der Hintergrund meiner geäußerten Vermutung in bezug auf die Bischofsseinführung.

Diese meine Vermutung haben Sie ja nun dankenswerterweise ausgeräumt. Vielleicht können Sie aber nachvollziehen, daß mich – und viele andere, mit denen ich darüber gesprochen habe – die geschilderten Beobachtungen mißtrauisch gemacht und zu meinem scharfen ersten Schreiben veranlaßt haben.

Mittwoch, 29. April 2009

Antwort des WDR

Auf dieses Schreiben:

Sie kritisieren mit sehr deutlichen Worten, dass der WDR den Gottesdienst zur Einführung von Bischof Genn in Münster nicht im WDR Fernsehen übertragen hat. Ihre Frage „Ist es Unüberlegtheit oder Kirchenhass?“ und Ihre weiteren - drastischen - Ausführungen überraschen mich offen gestanden sehr. Bitte sehen Sie es mir daher nach, wenn ich Ihnen zunächst mit Nachdruck widerspreche - insbesondere Ihren Behauptungen, es gebe „Kirchenfeindliche Kapriolen des WDR“, eine „Offenbar hassgetriebene Auswahl von Themen“ in einer Sendung unseres Hauses und eine Behandlung von Themen in „verhöhnender und oft sogar verhetzender Weise“. Sie haben keine dieser polemischen Behauptungen konkret belegt.

Unabhängig davon möchte ich Sie über die Genese und die Gründe dafür informieren, dass wir den Gottesdienst zur Einführung von Bischof Genn nicht übertragen haben – und darüber, wie und in welchem Umfang wir über Bischof Genn in der Tat berichtet haben (Ernennung, Abschied in Essen, Einführung, Aufgaben).

Der WDR überträgt seit Jahrzehnten regelmäßig Gottesdienste in enger Zusammenarbeit mit den christlichen Kirchen im nationalen ARD-Fernsehprogramm Das Erste. Grundlage der Übertragung von Verkündigungssendungen ist eine Vereinbarung mit der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche Deutschland. Sie räumt den christlichen Kirchen gegenüber allen anderen relevanten gesellschaftlichen Gruppierungen eine Sonderstellung ein, die ihrer besonderen Bedeutung in der Gesellschaft Rechnung trägt.

In diesem Jahr überträgt der WDR im Ersten vier Gottesdienste, die von den Kirchen in Eigenregie hinsichtlich Inhalt, Form und Ausstrahlungstermin gestaltet werden. Die Kirchen entscheiden im Rahmen ihres Kontingentes selbst, welchen Gottesdienst sie im Ersten zeigen wollen und sie können auch Sondergottesdienste beantragen. Für das Pontifikalamt zur Einführung von Bischof Genn ist kein solcher Sondergottesdienst von Seiten der katholischen Kirche beantragt worden.

Der WDR greift inhaltlich nicht in die Gottesdienstplanung der Kirchen ein. Wir stellen kostenfrei die Produktionsmittel und redaktionelle Unterstützung zur Verfügung. Auch das samstägliche „Wort zum Sonntag“ fällt unter die Vereinbarung mit den Kirchen. Der WDR beteiligt sich in diesem Jahr in der ARD mit 15 Terminen. Wie bei den Gottesdiensten, obliegt auch hier die Auswahl der Sprecher, Themen und Übertragungstermine den kirchlichen Beauftragten. Der WDR stellt Technik und redaktionelle Betreuung zur Verfügung.

In diesem Jahr produziert der WDR aufgrund der Entscheidung der kirchlichen Rundfunkbeauftragten zum Beispiel die Übertragungen des Karfreitag-Gottesdienstes, der Fronleichnamsmesse, der Messe zu Allerheiligen und zum Jahresende der Christvesper. Für diese WDR Verkündigungssendungen im Ersten steht ein Gesamtetat zur Verfügung, den wir nicht ohne weiteres erhöhen können.

Die gesamte Gottesdienstplanung geschieht im Verbund und in Absprache mit den anderen ARD-Sendern und dem ZDF, so dass ARD und ZDF an allen Sonntagen sowie hohen Feiertagen immer einen Gottesdienst ausstrahlen. Wichtige Anlässe wie Kirchentag oder Katholikentag werden durch zusätzliche Termine im Ersten berücksichtigt, ebenso Gedenkgottesdienste aus besonderem Anlass. Das geschieht in Absprache mit dem ZDF, denn Doppelübertragungen wären gegenüber dem Gebührenzahler nicht zu rechtfertigen.

Diese Gottesdienste werden etwa ein Jahr vor Ausstrahlung geplant und gemeinsam mit den kirchlichen Rundfunkbeauftragten vorbereitet. Der lange Vorlauf ist nötig, da zum Beispiel Aufbau und Länge der Gottesdienste die Sehgewohnheiten der Zuschauer berücksichtigen und fernsehdramaturgisch speziell aufbereitet werden. Die von den Kirchen intendierte Botschaft soll beim Zuschauer ankommen und das Erleben am Fernseher ist ein anderes als im Gotteshaus direkt. Gemeinsames Ziel von Rundfunkbeauftragten und Redakteuren ist dabei, nicht nur die stark im Glauben Verwurzelten zu erreichen, sondern besonders auch die Unentschlossenen, aber für die christliche Botschaft Aufgeschlossenen. Deshalb sind diese Gottesdienste zum Beispiel in der Regel nicht länger als 60 Minuten.

Das Pontifikalamt zur Einführung von Bischof Genn in Münster entsprach mit einer Gesamtlänge von zwei Stunden und 33 Minuten nicht diesen Voraussetzungen. Es hätte umstrukturiert und gekürzt werden müssen.

Wie bereits angedeutet, ist unser nationales Programm Das Erste das für die Gottesdienste vorgesehene Fernsehprogramm. Liturgische Übertragungen in den Dritten Programmen der ARD sind kein Standard. Ausnahmen sind Gottesdienste aus Anlass von Katastrophen oder anderen nicht vorhersehbaren Ereignissen.

Drei bis vier zusätzliche Gottesdienste pro Jahr im WDR-Programm würden bedeuten, dass der gesamte Etat der WDR-Redaktion Religion ausgeschöpft wäre. Aus diesem Etat wird unser sonntägliches Religions-Programm „tag 7“ finanziert. Wie bereits dargelegt, hat die kirchliche Verkündigung in unserem Programm bereits eine Ausnahme-Stellung. Daher sind unsere ergänzenden, von den Kirchen unabhängigen redaktionell verantworteten Programme von besonderer Bedeutung.

Ich möchte auf einen weiteren Aspekt hinweisen: Wie Sie sich vorstellen können, muss im Falle von Sondergottesdiensten gleiches Recht für alle Glaubensgemeinschaften gelten, auch für die evangelische Kirche und die jüdischen Gemeinschaften. Deshalb bedarf jeder zusätzliche Gottesdienst der sehr genauen Prüfung und Abwägung gegenüber den Ansprüchen anderer.

Unser öffentlich-rechtlicher Kernauftrag aber ist die journalistische Berichterstattung. Selbstverständlich gehört dazu die Begleitung kirchlicher Ereignisse. Über den Gottesdienst zur Einführung von Bischof Genn hat unsere landesweite „Aktuelle Stunde“ mit Bildern vom Tage und einem Porträt des Bischofs berichtet. Über die Ernennung von Bischof Genn im Dezember 2008 hatten wir ebenfalls in unseren Landesprogrammen berichtet (Aktuelle Stunde und WDR aktuell), auch in unseren Lokalzeiten Duisburg, Münster und Essen waren wir auf die Ernennung eingegangen. Die Lokalzeit Münsterland berichtete mehrfach, stellte Bischof Genn vor, zeigte ihm beim Abschiednehmen vom Ruhrbistum. Darüber hinaus haben die Aktuelle Stunde und die Lokalzeiten zum Beispiel über den letzten Gottesdienst des Essener Bischofs und über den Treue-Eid Bischof Genns auf die NRW-Landesverfassung in der Staatskanzlei berichtet (am 10.03.2009).

Zusätzlich wurde am 28.03., am 29.03. und am 30.03. ausführlich über die neuen Aufgaben des Bischofs von Münster berichtet. In der Woche nach seiner Einführung haben sich unsere Lokalzeiten den ersten Tagen von Bischof Genn im Amt gewidmet.

Wir werden uns mit den Kirchen über das künftige Vorgehen bei Sondergottesdiensten noch einmal austauschen.

(...) Ich würde mich freuen, wenn Sie nach Lektüre dieses Briefs zu einer anderen Beurteilung unseres programmlichen Umgangs mit der Amtseinführung von Bischof Genn gelangen würden.

Wer glaubt noch daran?

Papst Benedikt - der letzte Radikale
Beitrag von Paul Badde

Sühne oder Solidarität?

"... Erhalten geblieben ist die Kategorie der Stellvertretung. Sie ist eines der grundlegenden Lebensgesetze des Gottesvolkes. Und sie bedeutet: Einer kann und darf, und darüber freut sich Gott, für den anderen bei Gott etwas tun. Das betrifft Beten, Fasten und – für einen begrenzten Zeitraum in Korinth – sogar die Taufe. Hier ist vor allem wichtig, dass der gekreuzigte und erhöhte Herr stellvertretend für uns beim Vater eintritt (Römer 8; Hebr 7 und 9). Er bringt in seiner Fürbitte das Verdienst seines Kreuzestodes vor Gott ins Spiel.

Ganz lebendig ist ferner die Bedeutung vergossenen Blutes. Dass Blut nach biblischer Anschauung Leben bedeutet und eben deshalb striktes Eigentum Gottes ist, bringen uns gerade Moslems und Juden wieder bei. Und der, auf dem Blut eines anderen liegt, gehört damit Gott (positiv wie negativ). In den Sakramenten der Taufe und der Eucharistie wird das Blut Jesu Christi sakramental durch Wasser beziehungsweise durch Wein dargestellt. Das Wasser wäscht uns zum Zeichen, dass Christi Blut dies bewirkt, den Wein trinken die Jünger zum Zeichen des Neuen Bundes, gestiftet durch Christi Blut. So kann ich die Meinung betulicher Seelsorger nicht akzeptieren, die Menschen verstünden angeblich die Bedeutung der Rede vom Blut nicht mehr. Es genügt nur ein wenig Bibel- und Volkskunde. Und gerade für Jugendliche ist vieles höchst interessant, was die Älteren für unvermittelbar halten.

Denn was das kultisch vergossene Blut angeht, da waren die Menschen stets dankbar für dieses unverhältnismäßige Mittel, den verdienten Zorn der Götter zu besänftigen. Gott wertet Jesu vergossenes Blut aus heidenchristlicher Perspektive wie rituell vergossenes. Es ist, wie wenn Gott zu den Christen sagt: „Nehmt es daher, so wie ihr es kennt, als Zeichen dafür, dass nun alles gut ist. Zu eurer Beruhigung, ja als mein Evangelium über den toten Christus biete ich euch an: Nehmt dieses Blut als Zeichen der Versöhnung meinerseits.“ So ist diese Vergebung hier dadurch eindrücklich geworden, dass sie an bekannte Zeichen anknüpft. Damit es die Menschen besser verstehen. So ist aus Gottes Vergebung hier eine „halbe“ kultische geworden, zwar mit Blut, aber nicht im Tempel, zwar zur Sühne, aber nicht als gesetzlich vorgeschriebene und im Ritual festgelegte, zwar grausam, aber nicht wegen des Zornes Gottes, sondern wegen des Hasses der Menschen. Aber dem Verlangen der Menschen nach Gewissheit kommt Gott dadurch entgegen, dass sie die wesentlichen Zeichen erkennen können. So gelangen wir zu einer Gewissheit, die alle frühere übersteigt. Früher konnten die Menschen, die um Vergebung baten, nur darauf hoffen, dass Gott sie erhöre. Das ist jetzt anders: Deshalb hat Jesus beim Abendmahl den neuen Bund gestiftet. Er hat gewissermaßen notariell mit seinem Blut besiegelt, dass jetzt der neue Bund der Sündenvergebung gilt. Und er hat nicht einfach die Menschen beten lassen, sondern die Gewissheit der Erhörung in die Erde eingerammt, so wie das Kreuz auf Golgotha steht, unübersehbar. ..."

Klaus Berger, Die Tagespost/Zenit

Montag, 27. April 2009

Kirchenhaß beim WDR? - 2

An den Ministerpräsidenten
des Landes Nordrhein-Westfalen
Herrn Dr. Jürgen Rüttgers
Stadttor 1
40219 Düsseldorf


Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

bei der Einführung von Dr. Felix Genn als Bischof von Münster haben Sie warme und nachdenkliche Worte gefunden. Man hat mit Freude gespürt: Hier spricht ein Christ, ein Katholik zu seinen Brüdern und Schwestern. (...) Ermutigt von dieser Begegnung, erlaube ich mir, mich an Sie mit einem altbekannten und gerade deshalb brennenden Problem zu wenden: offenbarem Kirchenhaß beim WDR.

Vor fast einem Monat habe ich der Intendantin des Westdeutschen Rundfunks einen Brief geschrieben, der in Kopie beiliegt. Bis heute habe ich keine Antwort darauf erhalten. Ich meine, daß hier ein schwerwiegendes und nur vom „Arbeitgeber“ zu lösendes Problem vorliegt: Objektivität und Meinungsvielfalt – Säulen der Demokratie – stehen auf dem Spiel; Katholiken werden von einem Staatsbetrieb diskriminiert.

Meine Sorge besteht weiterhin. Ich lege Ihnen darum diesen Vorgang vor in der Zuversicht, daß er sich bei Ihnen in guten Händen befindet.

Sonntag, 19. April 2009

RESURREXIO DOMINI SPES NOSTRA

"Was ist nach dem Tod? Das heutige Hochfest erlaubt uns, auf dieses Rätsel zu antworten, daß der Tod nicht das letzte Wort hat, denn schließlich ist es das Leben, das siegt. Und diese unsere Gewißheit gründet sich nicht auf bloße menschliche Überlegungen, sondern auf eine geschichtliche Gegebenheit des Glaubens: Jesus Christus, der gekreuzigt und begraben wurde, ist mit seinem verherrlichten Leib auferstanden."

Die Ansprache Papst Benedikts XVI. zum Segen Urbi et Orbi Ostern 2009.

Freitag, 3. April 2009

Kirchenhaß beim WDR?

Aus dem Brief eines Pfarrers an die Intendantin des Westdeutschen Rundfunks:

An die Intendantin
des Westdeutschen Rundfunks
Frau Monika Piel
50600 Köln

Sehr geehrte Frau Piel,

(...) Viele meiner Gemeindemitglieder haben mich gefragt, warum der WDR die Einführung des neuen Bischofs von Münster nicht übertragen hat. Ich frage mich das auch. Und ich frage Sie das. Dr. Felix Genn kommt aus dem am Rand des Sendegebietes liegenden Bistum Trier. Er war Bischof des im Sendegebiet liegenden Bistums Essen und ist nun Bischof des zum größeren Teil im Sendegebiet liegenden Bistums Münster. An seiner Begrüßung samstags in Billerbeck und seiner Einführung sonntags in Münster nehmen jeweils mehrere tausend Menschen teil, darunter übrigens viele junge – und der WDR überträgt bei seiner Einführung eine Pferdesportveranstaltung. Man fragt sich als Rundfunkgebühren zahlender Bürger, wie ein öffentlich-rechtlicher Sender sich so etwas leisten und seinen Hörern zumuten kann. Ist es Unüberlegtheit oder Kirchenhass?

Ich würde dem WDR, dem ich eigentlich Sympathie entgegenbringe, zu seinen Gunsten gerne ersteres unterstellen, muß aber letzteres vermuten: Wie Sie die Papstreise nach Afrika auf die Kondomfrage reduziert haben, wie Sie wochenlang die Falschmeldung wiederholt haben, der Papst habe einen Holocaustleugner „rehabilitiert“, wie Sie sachlich unpassend die Meldung, daß Bischof Genn nach Münster geht, mit den Bildern von protestierenden Kindergärtnerinnen aus dem Bistum Essen „kommentiert“ haben, wie in Ihrer Sendung „Diesseits von Eden“ Themen einseitig und nicht selten ganz offenbar haßgetrieben ausgewählt (oder eben nicht ausgewählt) und ohne ein Bemühen, Hintergründe aufzuklären, in verhöhnender und oft sogar verhetzender Weise behandelt werden – all das spricht eine deutliche Sprache. Oft hat man sonntagmorgens den Eindruck, man sei abends zuvor in einem Rechtsstaat eingeschlafen und nun in einer kirchenfeindlichen Diktatur aufgewacht.

Wir Katholiken neigen nicht zum Krachschlagen und Protestieren. Wir suchen den Frieden. Darum fällt es mir auch nicht leicht, diesen Brief in dieser Schärfe an Sie zu richten. Ich sehe nun aber den Punkt gekommen, Sie dringend zu bitten, den Kurs des WDR gegenüber unserer Kirche zu korrigieren und wahrzunehmen, daß es nicht wenige gläubige Katholiken in diesem Land gibt, die einen erheblichen Teil Ihres Gehaltes und Etats bezahlen und die über die kirchenfeindlichen Kapriolen des WDR den Kopf schütteln.

Hochachtungsvoll

(Hier die Antwort vom WDR)

Montag, 30. März 2009

Einführung des 76. Bischofs von Münster

Gestern wurde der neuer Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, in einer fulminanten Pontifikalliturgie in sein Amt eingeführt. Der Dom (Liturgie, Kirchenmusik) hat Maßstäbe gesetzt. Die Stimmung anschließend auf dem Domplatz war selig.

Es begann mit der Non (Psalmabschnitte des tridentinischen Breviers!). Der Einzug des neuen Bischofs, der vom Bischöflichen Hof abgeholt worden war, begann pünktlich um 15.00 Uhr. Dazu erklang Bruckners "Ecce Sacerdos magnus". Wunderbar, diese katholische Prachtentfaltung, die sich nun über zwei Stunden hinziehen sollte!

Es gab die Choralmesse XVII, Credo GL 423, Te Deum im münsterschen Ton (alles mit Quadratnoten im schön layouteten Heft), Das Te Deum erklang im letzten Viertel in der Vertonung Bruckners (hätte nicht sein müssen, zumal der Choral bestens lief).

Der neue Bischof hielt eine gute, fundamentale Predigt: keine Beschönigung der Lage, theologisch sauber, spirituell tief und nahe an den biblischen Lesungen. Eine Spiritualsstunde im besten Sinne.

An das Zelebrieren im großen Raum muß er sich noch gewöhnen; es wirkte teilweise noch ein wenig schnell - aber nicht unwürdig.

Der neue blau-violette Seidenornat setzt einen zeitgemäßen Akzent: Klare Farben und Formen, keine Symbölchen, klassischer Schnitt.

Ministerpräsident Rüttgers hielt eine fromme und nachdenkliche Gratulationsrede, bei der es ihm allerdings mehrfach unterlief, daß er nur das Münsterland, nicht aber die anderen Regionen des Bistums nannte. Bischof Felix erwähnte das in seinem Dank, und das nichtmünsterländische Volk goutierte das hörbar mit Begeisterung...

Zum Auszug kam fast das Beste: "Wunderschön prächtige". Das Volk brüllte aus Herzenslust - und dann setzte zur dritten Strophe der Überchor (mit Orchester - komponiert vom Domkapellmeister Andreas Bollendorf) ein - unglaublich! Es war, als ob die Domikalgewölbe abhoben...

Domorganist Thomas Schmitz zelebrierte die ganze Feier über göttlich an der Orgel mit Improvisationen, sensibler Begleitung und Viernes Marche épiscopale zum Schluß. Es war eine Symphonie...

Das Video wird von der halbdiözesanen "Kirchensite" hier bereitgestellt.

Samstag, 28. Februar 2009

Kommunionkatechese 1920

Gerade habe ich beim quadragesimalen Aufräumen einen Zettel mit einem Gebet entdeckt. Als ich als Jugendlicher die Kirchenzeitung austrug, habe ich mich mit einer Kundin immer über den Glauben und die "gute alte Zeit" unterhalten. Sie ist um 1920 zur Erstkommunion gegangen und kannte dieses Gebet noch aus dieser Zeit auswendig. Ich finde diesen Text in seiner Schlichtheit bemerkenswert:

Heiliger Schutzengel mein,
geh für mich zur Kirch hinein,
knie hin an meinem Ort,
hör die heil’ge Messe dort!
Bei der Opf’rung bring mich dar
Gott zum Opfer ganz und gar.
Bei der heil’gen Wandlung dann
bet’ mit Seraphs Inbrunst an
unsern Heiland Jesus Christ,
der wahrhaft zugegen ist.
Bet für die, die mich betrübt,
bet für die, die mich geliebt.
Denk auch der Verstorb’nen mein.
Jesu Blut wasch alle rein.
Beim Genuß vom höchsten Gut
bring mir Jesu Fleisch und Blut,
und im Geist mit ihm vereint,
laß mein Herz sein Tempel sein.
Fleh, daß allen Menschen Heil
aus dem Opfer wird zuteil.
Ist die heil’ge Messe aus,
bring den Segen mir nach Haus.
Amen.

Donnerstag, 5. Februar 2009

Die Hatz auf den Papst

Sie haben Papst Benedikt XVI. eingekreist – in den Zeitungen, im Fernsehen, in den Blogs, in Parlamentsdebatten, in schicken Magazinen.
Sie glauben, ihn jetzt fertigmachen zu können. Es wimmelt von Vorurteilen, Vorurteilen, Vorurteilen.
Oft ist es nur ihr tiefverwurzeltes Bauchgefühl, ihr Haß auf Rom, den sie vielleicht kurz beiseite ließen, als ein Papst – wie Johannes XXIII. – sich anscheinend nicht allzu päpstlich verhielt.
Manchmal ist es auch die Furcht vor einem, der schlauer ist als sie. Sie haben nichts gegen Christen, solange diese nicht besonders hell erscheinen. Denn dann müssen sie sich nicht bedroht fühlen.
Für andere ist Benedikt XVI. ein unerträglicher Widerspruch angesichts ihrer verdorbenen und zügellosen Lebensweise.
Oft ist es einfach ein tiefsitzender Haß gegen jede Art von Frömmigkeit. Denn sie sind Kinder des Vaters aller Lügen.
Wir erleben im Augenblick einen Kampf des Bösen gegen das Gute in so klarer Form, wie wir das in unserer Welt der Grautöne nur selten beobachten können.
Und das Dunkel ist im Anstieg begriffen. Jetzt ist nicht die Zeit, um auf der Gartenmauer zu sitzen und abwägend den Kopf zu wiegen – „einerseits – andererseits“.
Das ist die Zeit, in der man zeigen muß, wo man steht.
Noch lange wird sich die Frage stellen:
Was hast Du gemacht, als die Bestien nach Benedikt XVI. schnappten?

(von John Hunwicke, anglikanischer Priester, Oxford)

Mittwoch, 28. Januar 2009

Votivmesse

Gerade rief der Küster einer größeren Pfarrei an. Gestern (27. 1.) habe sein Pfarrer ihn angewiesen, ein weißes Meßgewand auszulegen. Der Küster wunderte sich und fragte, ob er die hl. Angela Merici feiern wolle (sonst hat es der Pfarrer nicht so mit der Verehrung der Heiligen, auch wenn deren Feiertag geboten ist).

Des Pfarrers Antwort: Nein, er wolle die Votivmesse zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz feiern.

Freitag, 12. Dezember 2008

Nach dem Streitgespräch

Huckbald Ostermann, der beim Streitgespräch zwischen Martin Mosebach und Prof. Thomas Sternberg anwesend war, schreibt:


Die Häresie der Formlosigkeit spiegelte sich im Auftritt von Prof. Sternberg! Hier der strukturierte Herr Mosebach und dann der Politprofi, der sich als Vertreter der neuheitlichen ´Religion des Verstandes´im Flussbett zwischen protestantischen Reformation und der atheistischen Aufklärung bewegt und im ständigen Kampf um die Gleichberechtigung steht. Der Ungehorsam der Bischöfe gegenüber „Souverän“ Papst wird aus demokratischem Verständnis toleriert. Dem Pfarrer, der „zugibt“ die alte Messe zu zelebrieren – und bei der Zelebration der neuen ein Gebet durch eines aus der alten austauscht, wird mit hochrotem Kopf gemaßregelt! ("Disziplinarverfahren!!!")

Prof. Sternberg gehört zu den Vertretern seiner Klasse, die einen Humanismus und Individualismus verkörpern, der vornehmlich ab der Französischen Revolution in immer gesteigertem Tempo sich von seinem göttlichen Ursprung löst und einer absoluten Autarkie zustrebt, die wirtschaftlich im Kapitalismus und Neuheidentum und politisch in der liberalen Massendemokratie ihren angemessenen Ausdruck findet.

Ich habe mit Herrn Mosebach nach der Veranstaltung noch ein paar Worte gewechselt und ihn über ein Geheimnis berichtet, das lediglich dem Prof. Sternberg und seinen Anhängern bekannt ist. Es handele sich um einen bisher unentdeckten Fehler aus dem Mittelhocharamäischen. Jesus habe nämlich, von Pilatus gefragt, ob er ein König sei, geantwortet: „Ich bin ein Demokrat!“

Franz Kronbeck, Das verratene Wort:  "… Sobald die Bedeutung der Dinge nicht mehr gegeben ist, wird den Menschen nach und nach die Kraft verlassen, sein Leben, dem Urbild, das der Himmel an ihn gelegt hat, entsprechend zu entfalten. So fallen ihm auch die einzelnen Dinge seiner Welt auseinander, sie verlieren ihre Mitte. Am Ende dieses Prozesses, wenn sie wesenlos geworden sind, vermögen es die Dinge nicht mehr, sich im Dasein zu halten, womit eine Atomisierung der Welt in Gang gebracht ist, die aus der Entstellung der Wesenheiten ihren Anfang nimmt."

Wie können es ungeweihte Hände wagen, die Hostie zu berühren? Ich kann doch nicht anders und muß mich doch vor Christus (dem Tabernakel) und unter Tränen in den Staub werfen! - Da aber ein solches Verhalten undemokratisch ist, will ich auch keiner sein!

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Mosebach in Münster

„Da waren sie wieder, die altliberalen Argumente aus der Mottenkiste: auch bei der alten Messe gab es Mißbräuche, heute ist es doch gar nicht mehr so schlimm wie in den 70ern und der pöse, pöse Ästhetizismus! Wenn es gerade paßt, wird auch das sonst so geschmähte und ignorierte Kirchenrecht herangezogen. Hat es je einen Gläubigen interessiert, ob der Zelebrant das Credo leise für sich mitbetet oder nicht? Guardini wird flugs in den Rang eines Kirchenlehrers erhoben und Pius XII, der das neue Meßbuch wahrscheinlich nicht einmal mit spitzen und pontifikalbehandschuhten Fingern angefasst hätte, wird mit ins Boot der Reformer geholt! – Kein Wort zur Entsakralisierung und dazu, daß die Reform in der durchgeführten Weise eben gerade nicht durch das Konzil intendiert war.“

So schieb ein Freund im Rückblick auf das Streitgespräch zwischen dem Romancier Martin Mosebach und dem Leiter der kath. Akademie Franz-Hitze-Haus, Münster, Prof. Dr. Thomas Sternberg MdL, das am 10. Dezember im Bischöflichen Priesterseminar Borromäum in Münster im Rahmen der akademischen Vortragsreihe „Forum Borromäum“ stattgefunden hat. (Hier die Darstellung des Abends durch das Priesterseminar)

Es waren (ich konnte es nicht genau zählen) wenigstens 80 Personen gekommen, darunter die Hausleitung des Priesterseminars und etliche andere Priester.

Nach der souveränen Einführung durch den Priesteramtskandidaten Dr. Oliver Rote trug Martin Mosebach pointiert seine Thesen vor, die eine Zusammenfassung seines Buches „Häresie der Formlosigkeit“ darstellten, welches dem Abend seinen Titel gab. 

Er sagte unter anderem, daß die Liturgiereform von 1969

  • nicht von den Konzilsvätern intendiert war (eine solche Reform im Sinne einer behutsamen Durchsicht der Bücher hatte bereits 1965 stattgefunden),
  • ein in der Geschichte der Kirche beispielloser Bruch mit der Tradition gewesen sei,
  • die einzige Reform in der Kirchengeschichte sei, die die Disziplin (Ehrfurchtszeichen) nicht verschärft habe, wie dies durch die Natur des Menschen immer wieder nötig sei, sondern gelockert,
  • ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht werde, sich an den alten Bräuchen zu orientieren, so sei z.B. inzwischen nachgewiesen, daß es eine (ausdrücklich so verstandene) Zelebration zum Volk hin nie gegeben habe (wohl den Umstand, daß bei der durchgängig geosteten Zelebrationsrichtung in gewesteten Kirchen das Volk dem Zelebranten gegenüberstand – der Verf.),
  • ihrem eigenen Ziel nicht gerecht geworden sei, daß die Gläubigen bewußter und tiefer an den Geheimnissen teilnehmen, denn religiöses Grundwissen wie Kirchbesuch der Katholiken seien heute dramatisch gering, ja man stehe vor einem religiösen Desaster,
  • widerspreche dem Bedürfnis des religiös suchenden Menschen, in den Raum der Heiligkeit einzutreten, in dem mir ein „göttlicher“ Ritus gegeben ist, der nicht unserer Verfügung unterliegt,
  • in ihren konkreten (über die Rubriken des Meßbuchs weit hinausgehenden) Formen zu einer banalen Gemeinschaftsfeier geführt habe, in der viele etwas beitragen, in der eine Haltung des Anspruchs, der Kritik, des ständig neu Gestaltens prägend und in der Ehrfurcht, Heiligkeit und die Dankbarkeit, hinzutreten zu dürfen, verschwunden seien.

Das Publikum applaudierte lang und laut nach dem Beitrag von Herrn Mosebach. Einige natürlich nicht (und das möglichst auffällig...).

Prof. Sternberg erwiderte im Ton konziliant und bestätigte zunächst die von Herrn Mosebach vorgetragenen Problemanzeigen. Nur wollte er nicht dessen Konsequenz teilen. Mosebach hatte gefordert, zum alten Ordo zurückzukehren – wenn nicht in der regelmäßigen flächendeckenden Feier, so noch im Sinne eines Maßnehmens für die Feier des Ordo Novus, wozu die gregorianische Messe möglichst für alle erreichbar gemacht werden müsse.

Prof Sternberg baute seine Erwiderung unter anderem auf diese Thesen auf:

  • Die paulinische Messe habe eine andere Liturgietheologie: Das Volk – auch die eigens betonten Frauen – seien wesentlicher Bestandteil der Feier. Früher hätten sie zur Gültigkeit der Messe nichts beigetragen.
  • Die Freunde der gregorianischen Messe seien häufig „Ästheten“ (klarer wäre "Ästhetizisten") und liefen daher Gefahr, sich angesichts des Glaubens- und Transzendenzverlustes des modernen Menschen in die Form zu flüchten; hiervor habe schon selbst der Ästhet Romano Guardini gewarnt.
  • Die paulinische Messe sei durchaus eine kontinuierliche Entwicklung der römischen Messe und nichts Neues.
  • Auch die gregorianische Messe sei „schlampig“ zelebriert worden, wie die paulinische durchaus würdig und sakral gefeiert werden könne; im übrigen seien die liturgischen Mißstände eher ein Phänomen der 1970er und 80er Jahre als unserer Zeit.
  • Der Ritus der römischen Messe bis 1965/69 sei natürlich auch das Ergebnis von Veränderungen.
  • Im Übrigen sei die praktisch durchgeführte „Reform“ von der Landessprache bis hin zum „Umdrehen der Altäre“ nicht nur eine Frucht des Konzils. Es habe sich vielmehr um Befreiungsschläge gehandelt, auf die liturgische Katholiken zum Teil schon seit Jahrzehnten gewartet hätten.
  • Das Problem dieser Befreiung sei, daß nur der sie zu schätzen wisse, der das "Rasseln der gefallenen Kette" noch hört. Und dies sei 40 Jahre danach nur noch bei den Älteren der Fall. Den Versuch, die genannten Probleme durch einen Schritt „40 Jahre zurück“ zu lösen, halte er für aussichtslos.

Auch Prof. Sternberg erhielt langen Applaus.

Im anschließenden Gespräch zwischen Sternberg und Mosebach wies zunächst letzterer den oft wiederholten „Ästhetizismusvorwurf“ entschieden von sich: Liturgie, ja Glaube, werde von Menschen vollzogen, und diese begriffen nun einmal mit den Sinnen.

Veränderungen in der alten Liturgie seien immer mit dem Ziel des Bewahrens oder der Rückkehr zum Alten, zum Kern vollzogen worden. Die Reform Pauls VI. hatte das Ziel des Änderns (z.B. Gebete zur Gabenbereitung, die früher den Eintritt ins Opfergeschehen ausdrückten, heute einem jüdischen Tischgebet ähneln).

Sternberg wies Mosebach einige historische Unstimmigkeiten nach. Mosebach blieb davon ungerührt. Er vertrat seinen Standpunkt weiterhin mit Vehemenz. Sterbergs suchte den Ausgleich („Wir sind da nahe beieinander.“). Es zeigte sich die Übereinstimmung in der Sicht der Probleme. Während aber Mosebach die gregorianische Messe als Lösung vorschlug, blieb Sternberg dabei, daß es im Ritus kein grundsätzliches Problem gebe, das sei eher im Glaubensschwund zu sehen, und da helfe der Ritus nichts.

In der engagierten Diskussion mit dem Publikum warf ein Priester Mosebach vor, er vertrete eine nicht zu verantwortende Gemeindetheologie, in dem er das Volk Gottes (wieder) entmündigen und der Macht des Klerus unterstellen wolle, was Mosebach leicht widerlegen konnte, indem er aufzeige, daß die gregorianische Messe viel „demokratischer“ sei, weil dort Priester und Volk gemeinsam unter dem Ritus stünden und dem Priester (und sonstigen Personen) kein Spielraum für eigenmächtige Veränderungen gegeben sei.

Die weiteren Äußerungen waren, soweit ich mich erinnere, ausschließlich „pro missa gregoriana“.

Am Ende entkräftete ein Pfarrer, der selbst regelmäßig die Messe in der gregorianischen Form feiert, die These Sternbergs von der anderen liturgietheologischen- und rechtlichen Situation in der paulinischen Messe (Volk als konstitutiver Bestandteil für ihre Gültigkeit), indem er darauf hinwies, daß es zur Zelebration der gregorianischen Messe immer wenigstens eines Meßdieners bedurfte und daß erst das paulinische Meßbuch einen eigenen Meßordo „sine populo“ eingeführt habe.Eine kirchenrechtliche Argumentation führe in dieser Sache nicht weiter, weil sie in der Praxis nicht von Interesse sei. Er äußerte die Vermutung, daß Papst Benedikt die „Alte Messe“ wieder allgemein zugelassen haben, damit es zu einer Versöhnung, zu einem unverkrampften Umgang mit beiden Formen der einen römischen Messe komme und die beiden Ordines sich gegenseitig bereichern. Er selbst entdecke die Dramaturgie der gregorianischen Messe als bereichernd, hier seien vor allem das Stufengebet, die gemeinsame Gebetsrichtung, die vielen Zeichen der Ehrfurcht und die Exaktheit der Zelebration zu nennen.

Ein großes Dankeschön gilt den Borromäern, die den Abend organisiert, und die Hausleitung des Bischöflichen Priesterseminars, die die Einladung an das „Schmuddelkind“ Martin Mosebach zugelassen und durch ihre Präsenz mitgetragen haben!

Übrigens habe ich dem Freund geantwortet:

„Wirklich zufrieden sein kann man mit dem gestrigen Abend nicht. (Übrigens fand ich Mosebach im Gespräch auch nicht ganz überzeugend - Herzblut allein hilft nicht.) Aber vergiß nicht: Das Ganze hat in der Aula des Priesterseminars - Domplatz 8 in Münster - stattgefunden; die Hausleitung, etliche Priester waren da. Das Thema ist in der Mitte angekommen. Nun muß es wirken - oder besser der Hl. Geist.

Daß den Altliberalen mit Argumenten nicht beizukommen ist, ist ja nichts Neues. Von Lebensalter und -geschichte her kann ich das sogar verstehen. Aber man hat miteinander gesprochen. Das wäre vor wenigen Jahren nicht denkbar gewesen.

Also: Freuen wir uns, erlöst zu sein (so ganz grundsätzlich sowieso und auch durch summorum pontificium), und überlassen wir den Rest betend und handelnd dem Lenker der Zeiten.“

Dienstag, 11. November 2008

Frohes Fest!

Treffen sich zwei Gänse. Fragt die eine: "Kennst du 'Spiel mir das Lied vom Tod?'" -
"Klar", sagt die andere: "Sankt Martin, Sankt Martin ...".

Der entscheidende Unterschied

Was ist der Unterschied zwischen einem Missionar und einem Pastor?
Der Missionar macht die Wilden fromm, der Pastor die Frommen wild.

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Heute Morgen im Abendland



Heimat, die ich meine
Auf dem Wochenmarkt komme ich mit dem holländischen Fischhändler beim Bezahlen (hier endet alle niederländische Toleranz und Lockerheit) auf das Thema calvinistische Knauserigkeit. Er fragte, was denn daran so schlecht sei. Ich erwiderte: Daß es keinen Spaß macht. Er nickte anerkennend und sagte: "Ja, die in Burgund, die verstehen etwas vom schönen Leben" - und meinte damit die beiden linksrheinischen Halbprovinzen Limburg und Brabant.


Hintergrund: Es gab mal einen Staat Niederburgund, der sich ziemlich genau mit der Gegend deckt, in der man katholisch ist, fränkisches Niederdeutsch spricht, Rosinenstuten mit Leberwurst und zu Allerheiligen Schwarzbrot mit Spekelatz und ganz dick Butter ißt und Karneval feiert; die niederrheinische Heimat im weiteren Sinne. Es ist doch schön zu wissen daß das alte Heimatland in den Niederlanden sprachlich noch existiert.

Feiertag
Kurz darauf beim Gemüsehändler, einem etwa 30jährigen freundlichen Mohammedaner aus dem Arabischen, mit dem ich mich immer gerne unterhalte - nicht selten über den Glauben. Als ich meinen Einkauf beendet hatte, wünschte er mir (wir schreiben den 30. Oktober) einen schönen Feiertag. Ich freute mich, bedankte mich, wünschte ihm das gleiche (nämlich, daß er irgendwann auch die Freude feiern dürfe, zu allen Heiligen in Christus zu gehören; das sagte ich aber nicht). Dann fragte er: "Und? Machen Sie was an Halloween?"


N-Ivo

Neulich in einer Sonderschule in einem Kölner Vorstadtbezirk: Ein neuer Schüler kommt mit seinen Eltern in die Klasse. Die Lehrerin fordert ihn auch, sich vorzustellen. Der Knirps baut sich vor seinen neuen Mitschülern auf und kräht: "Ja, hallo, 'sch sin d'r Öwwes, un 'sch sin ach Jahr alt..." Die Lehrerin unterbricht ihn: "Ich habe deinen Namen nicht verstanden. Kannst Du ihn bitte wiederholen?" - "Sch sin d'r Öwwes." Die Lehrerin wendet sich an den Vater (Goldkettchen, Tättowierung, Vokuhilafrisur, Schnautzbart): "Ich verstehe immer noch nicht. Wie heißt Ihr Sohn?" - "Dat is d'r Öwwes." Die Lehrerin, völlig perplex, bittet den Vater, den Namen an die Tafel zu schreiben. Er nimmt ein Stück Kreide und schreibt: "YVES".

Samstag, 20. September 2008

Migrationshintergründig...

"Der 38 Jahre alte Kameruner habe sich illegal in Deutschland aufgehalten, sagte Ramon van der Maat, Sprecher der Duisburger Polizei" (Westfälische Nachrichten 20. 9. 2009)

Donnerstag, 4. September 2008

Mensch Clemens

Eine katholische Blogger-Initiative antwortet dem protestantischen Liedermacher und Pfarrer Clemens Bittlinger auf dessen Papstgesang: hier.

Donnerstag, 21. August 2008

Mariae Himmelfahrt in Frankreich

In der Woche von Mariä Himmelfahrt bin ich nach Chartres gefahren. Ich brauche das ab und zu. Und übers Patronatsfest dort zu sein, war natürlich besonders verlockend. Ich war von Dienstagabend an dort, verbrachte den Mittwoch in Kathedrale und Stadt und fuhr am Donnerstag – der Vigil des Himmelfahrtsfestes – nach Paris.


Eigentlich wollte ich einige aussagekräftige Bilder über die Gotik machen, vor allem in St. Denis und von der Sainte Chapelle. Ich hatte meinen Photoapparat aber in Chartres vergessen, und so dachte ich: dann kannst du dir auch mal den Montmatre ansehen. Dort steht nämlich die ursprünglich merowingische Kirche St. Pierre, die ich noch nicht gesehen hatte. Sie ist in der Romanik modernisiert und im 20. Jahrhundert „entrümpelt“ worden, aber dennoch schlicht und schön.


Vor einiger Zeit hat man direkt neben St. Pierre eine große neue Kirche mir kitschigen Mosaiken gebaut (ja, ich meine Sacré Coeur). Nicht wirklich schön, aber aushaltbar. Den ganzen Tag ist dort das Allerheiligste über dem Hochaltar ausgesetzt. Erfreulich: viele Menschen (als ich dort war, sicher 200) nahmen diese Gelegenheit war.


Da die Jerusalemgemeinschaft in St. Gervais Konventsferien machte, konnte ich dort nicht an Vesper und Messe teilnehmen, wie ich es gerne tue. Also ging ich nach Notre-Dame, wo schon kräftig geläutet wurde (mit Bourdon).


Die Menschenmassen in der Kathedrale sind unglaublich. Alle Portale stehen offen, um die Luft frisch zu halten. Den Chorumgang, den man früher nur als Zugang zur Sakramentskapelle benutzen durfte, hat man allgemein geöffnet. Das Sakrament ist nicht mehr in der Marienkapelle (also im Chorscheitel), sondern in der rechts angrenzenden. Dort hatte ich zuvor den Schluß einer Sakramentsandacht erlebt: Ein Domkapitular (immerhin in neuem Damastchormantel) stand mit dem Rücken zum Tabernakel und betete mit ausgebreiteten Armen zu Jesus, um dann ohne jede Reverenz die Kapelle zu verlassen. Natürlich werde ich nicht über den Menschen urteilen. Aber die Botschaft, die bei mir ankam, war ein echtes Unglaubensbekennentnis...


Später begann dann die Vesper – das Mittelschiff war gesteckt voll, davon etwa die Hälfte Maximalpigmentierte (vormals "Neger"). Es war eine Pontifikalvesper zu Mariae Himmelfahrt. Drei Meßdiener, zwei Kantoren, von denen einer die Antiphon der Psalmen vorsang und der andere im Wechsel mit dem Volk psallierte. Dieses erwies sich als liturgisch sattelfest und verneigte sich selbständig zu den Doxologien. (Ich hatte den Eindruck, der maximalpigmentierte französische Migrationshintergründler neigt – wenn er denn katholisch ist – zu den liturgischen Hardlinern.)


Nach der Lesung folgte sofort das Magnificat auf lateinisch. Bisher war alles auf französisch gewesen. Der Gesang des Volkes beim Magnificat war kräftiger, als bei den französischen Psalmen. Das könnte natürlich an den vielen Nichtfranzosen liegen, die Notre-Dame ja auch gerne mal besuchen. Die Fürbitten wurden von drei spontan zu Freiwilligen erklärten jungen Damen in Französisch, Spanisch und – wars Englisch? Ich weiß es nicht mehr – vorgetragen, und zwar am Ambo zum Volke hin. Fürbittruf und das anschließende Vaterunser waren natürlich wieder in französischer Sprache gehalten. Beim Gebet des Herrn habe ich unandächtigerweise umhergesehen: weniger als die Hälfte der Gläubigen sang mit. Die Oration wurde feierlich gesprochen. Und weil man gerade das älteste und wichtigste Marienfest eröffnet hatte und sich in einem Mariendom befand, verzichtete man sinnvollerweise auf die marianische Antiphon.


Ich hatte den Eindruck, daß in der Pariser Kathedrale, was die Liturgie angeht, nach oben durchaus noch Luft ist...


Abends konnte ich mich bei einem Orgelkonzert in der Chartreser Kathedrale auf die Nacht und das kommende Fest einstimmen lassen.


Das Choralamt um 9.15 h war wunderbar. Auch war es ganz ordentlich besucht, was bemerkenswert ist, einerseits, weil diese Uhrzeit an einem Feiertag in romanischen Ländern eine Zumutung ist, und andererseits, weil der Dompfarrer nach dem Motu Proprio „Summorum Pontificium“ angeordnet hat, daß in der alten Benediktinerabteikirche St.Pierre – ebenfalls in der Altstadt – jeden Sonn- und Feiertag um 9.00 Uhr die Messe in der außerordentlichen Form gefeiert wird. Dort, fänden sich regelmäßig um die 100 Gläubige ein, wie ich hörte.


In der Kathedrale war die Hauptreliquie, der Schleier Mariens, auf dem geschmückten Hochaltar ausgestellt. Die Messen wurden – beide mit viel Weihrauch – auf dem Vierungsaltar gefeiert.


Das französische Pontifikalamt zelebrierte der Weihbischof des lateinischen Patriarchen von Jerusalem. Die exzellenten Meßdiener dienten in beiden Messen.






Domkapitular Emanuel, Hauptzelebrant des Choralamts, fungierte im französischem Pontifikalamt als Zeremoniar, wie es sich gehört in violetter Soutane.



Er ist ein feiner Herr, zelebriert ganz wunderbar und ist so blind, daß er mich jedesmal (es war jetzt bestimmt das fünfte mal, daß ich bei ihm konzelebrierte) fragt, ob ich das erstemal in Chartres sei... Man muß ihn einfach mögen.


Leider konnte ich am restlichen Programm des Tages nicht teilnehmen, da ich den Heimweg antreten mußte. Es waren noch Rosenkranzgebet, eucharistische Anbetung, Prozession mit Krönung und Tragung einer Marienfigur und die Vesper vorgesehen.


Es erfüllte mich mit Freude, daß sowohl in Frankreich als auch in Belgien der 15. August staatlicher Feiertag ist. In Belgien wird das – wie auch der Sonntag – knallhart durchgezogen: Nur die Tankstellen an den Autobahnen sind geöffnet und – zur Strafe für die, die den Feiertag schänden – mit übelgelauntem Personal besetzt. Schön! Es gibt das Abendland noch.


zu: Gotik macht glücklich


zu: Tour de France


zu: St-Denis (Abtei/Kathedrale St. Dionysius)


zu: Paris, Notre-Dame


zu: Chartres, die Krone des Abendlands


Ulrich Terlinden, Die Theologie der gotischen Kathedrale (PDF)



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