Montag, 1. August 2011

Himmel und Hölle

aus: C. S. Lewis, Die große Scheidung, Johannes-Verlag 102003

»Und darum werden am Ende aller Dinge, wenn hier die Sonne aufgeht und dort unten das Zwielicht zur Nacht wird, die Seligen sagen: „Wir haben niemals anderswo gelebt als im Himmel“, und die Verlorenen:  „Wir waren immer in der Hölle.“ Und beide werden die Wahrheit sagen.«
»Herr, ist das nicht sehr hart?«
»Ich meine, daß dies der eigentliche Sinn dessen ist, was sie sagen werden. Die tatsächliche Sprache der Verlorenen, die Worte, die sie brauchen, werden zweifellos anders lauten. Der eine wird sagen, er hat immer seinem Vaterland gedient, ob es im Recht war oder im Unrecht; ein anderer, daß er alles der Kunst geopfert hat; einige, daß sie sich niemals haben beschwatzen lassen, einige, daß sie, Gott sei Dank, immer auf den Mann an der Spitze gesehen haben, und beinahe alle, daß sie wenigstens sich selbst treu geblieben sind.«
»Und die Erlösten?«
»Ach, die Erlösten ... was denen geschieht, läßt sich am besten als das Gegenteil einer Fata Morgana beschreiben. Was, als sie es betraten, wie das Tal des Jammers aussah, das stellt sich beim Zurückblicken als eine Oase heraus; und wo die Gegenwartserfahrung nur Salzwüsten sah, da verzeichnet das Gedächtnis wahrheitsgemäß Brunnen lebendigen Wassers.«
»Dann haben also jene Leute recht, die sagen, Himmel und Hölle seien nur Gemütszustände?«
»Still«, sagte er streng. »Lästert nicht. Hölle ist ein Gemütszustand – Ihr habt nie ein wahreres Wort gesprochen. Und jeder Gemütszustand, jedes sich Verschließen des Geschöpfes in dem Verließ seines eigenen Gemüts –, ist am Ende Hölle. Aber der Himmel ist kein Gemütszustand. Himmel ist Wirklichkeit selbst. Alles, was ganz wirklich ist, ist himmlisch. Denn alles Erschütterliche soll erschüttert werden, auf daß da bleibe das Unerschütterliche.« 

Sonntag, 20. März 2011

Paramente am Karfreitag

Durch die Anfrage eines Freundes habe ich mich mit den Paramenten beschäftigt, die zur Liturgie vom Leiden und Sterben des Herrn am Karfreitag getragen wurden. Falls jemand mal die gleiche Frage hat und danach gugelt, setze ich das Ergebnis ins Netz:


Nach dem Schott von 1941 - vor allen neuzeitlichen Reformen - tragen Priester, Diakon und Subdiakon zu Beginn Kasel, Dalamtik und Tunicella in schwarzer Farbe. Zur Kreuzenthüllung legt der Priester das Meßgewand ab. Für die Missa Praesanctificatorum (Kommunionfeier) wird er es sicher wieder angelegt haben, aber der Schott sagt nicht, wann; ich vermute, bevor das Allerheiligste geholt wird.


Im Missale von 1957 (also nach der Reform der Karwoche unter Pius XII.)  ziehen Priester, Diakon und Subdiakon nur mit Amikt, Albe, Zingulum und schwarzen Stolen (außer beim Subdiakon) ein. Sie legen zu den Fürbitten Chormantel (!), Dalmatik und Tunicella in schwarzer Farbe an, die sie zur Kreuzenthüllung wieder ablegen. Nach der Kreuzverehrung legen sie violette Stolen und Gewänder an; der Priester trägt Kasel.


Im Missale Pauls VI. von 1969/70 dann trägt der Priester von Anfang bis Ende ein rotes Meßgewand. Edle Einfalt, stille Größe...


Übrigens: In Mailand hat man im 12. Jh. am Karfreitag Rot getragen.

Freitag, 4. März 2011

Im Himmelreich

Im Radio hörte ich vergangene Tage ein wunderschönes schwedisches Lied, an dessen Strophenenden vom "Herre Zebaoth" die Rede war. Die Melodie und das schlicht-ergreifende Arrangement (echt mittelalterlich mit Harmonium und Geige...) ließen mich nicht mehr los.

Wie gut, daß es das Netz gibt: Ich schaute beim Sender nach, wie das Stück hieß, und fand eine fast gleiche Einspielung der Gruppe "Triakel" im Netz:


Das Lied heißt "i himmelen" und wird auch als "Allerheiligenpsalm" bezeichnet. Der Dichter der Verse ist ein Laurentius Laurenti(i) (Laurinus), Lorenz Lorenzen, von denen es gleich zwei oder drei gegeben zu haben scheint, die alle lutherische Pfarrer (præst) im Norden gewesen sind.

Den schwedischen Originaltext und verschiedene Fassungen findet man hier.


Inzwischen habe ich die Übersetzung von Wilhelm Thomas aus dem nordelbischen Gesangbuch bekommen, wo das Lied vier Strophen hat. Daran angefügt habe ich zwei Strophen in der Übertragung von Edvard Grieg. Hier nun also das Ergebnis:




2. Im Himmelreich, im Himmelreich,
wie strahlt das Licht so rein
– die Sonne kommt ihm nimmer gleich
im schönsten Mittagsschein –,
die Sonn’, die niemals wieder geht
und ewig unverdunkelt steht:
der Herre Zebaoth.
3. Im Himmelreich, im Himmelreich
kein Leid, kein Not, kein Pein,
kein Tod, keine Vergänglichkeit,
desgleichen darf nicht sein.
Da wird uns Freud und Seligkeit
und Fried und Unverweslichkeit
vom Herren Zebaoth.
4. Im Himmelreich, im Himmelreich
ist uns das Heil bereit’,
desgleichen nie ein Mensch erfuhr
auf Erden weit und breit,
was nie ein Aug noch Ohr vernahm,
in keines Menschen Sinn auch kam:
o Herre Zebaoth.
5. Der schwache Leib, der schwache Leib
in finstrer Erde Nacht,
der ward so schimmernd durch und durch,
gleich lautren Goldes Pracht.
Und weiß nicht mehr von Weh und Wund,
dieweil er Aug in Auge stund
dir, Herre Zebaoth.
6. Und meine arme Seele schmückt,
wie es ihr prophezeit,
der Brautkranz der Gerechtigkeit,
das leuchtend weiße Kleid.
Ach selig, wer dir nahe ist,
im Licht zu schaun dich, wie du bist,
mein Herre Zebaoth.

T. Laurentius Laurentii (Laurinus) 1622
Übersetzung: Strophen 1-4: Wilhelm Thomas, Gesangbuch der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche Nr. 643; Strophen 5+6: Edvard Grieg

Samstag, 26. Februar 2011

Osten

Wenn jemand mal eine Kirche nach julianischem Kalender osten will, kann er hier nachlesen, wie man's macht.

Und hier kann man herausfinden, welche Richtung die Baulinie für den jeweiligen Standort und das Datum des Patroziniums bekommen muß, wenn man sich nach dem gregorianischen Kalender richten will.

Geht doch!

Sonntag, 6. Februar 2011

Voll-Tatoo

Ein befreundetes Ehepaar war heute zum ersten mal in der Kevelaerer Marienbasilika. 

Sie meinte zu Ihrem Mann: "Hey, die Kirche hat ja ein Voll-Tatoo!"

Ich meine, manches Tatowierungsinstitut könnte hier Muster für katholische Kunden finden.


Mittwoch, 29. Dezember 2010

Totenbild von 1943

Gerade habe ich beim Aufräumen ein Totenbild von 1943 gefunden. Eines von unzähligen Schicksalen. Es verschlägt einem dennoch die Sprache. Wir können für den Frieden gar nicht genug danken - und darum beten, dafür wirken.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Bruder-Klaus-Kapelle

Die Kapelle in Mechenich-Wachendorf ist ein auf Privatinitiative des Bauern Scheidtweiler von dem berühmten schweizerischen Architekten Peter Zumthor aus Lehm errichtet - unglaublich einfach, ja archaisch: Es wurde eine Pyramide aus Baumstämmen errichtet, um diese herum Lehmschichten gestampft, durch die Stahlrohre laufen, die eine Lichtverbindung zum Innenraum herstellen. Die Bäume wurden dann ver- und der Lehm dadurch gebrannt. Der Raum ist innen roh und durch den Brand geschwärzt. Es riecht noch nach Rauch. Oben beleuchtet ein offenes, flammenförmiges Loch den Raum. Als ich da war, regnete es und im Raum tröpfelte das Wasser hörbar in den stillen, dunklen Raum, in den durch das Loch in der "Decke" von ferne die Außengeräusche dringen.
An der Wand ist vergoldet das Meditiationssymbol des hl. Nikolaus von Flüe (Bruder Klaus) hoch an der Wand angebracht. Gegenüber eine niedrige, schmale Bank. Eine Büste des Heiligen, eine Gelegenheit Kerzen zu entzünden. Das war's. Überhaupt nicht volkstümlich zwar, aber mich hat der Bau als Andachtsraum überzeugt. Die folgenden Bilder sind viel schlechter als diese hier.




Rolduc

Es war mal wieder Zeit für einen Ausflug. Dieses Mal nach Nederland zur ehemaligen Abtei Rolduc (Kerkrade; "Rolduc" kommt von der französischen Übersetzung von "Herzogenrath"), heute Sitz des Priesterseminars des Bistums Roermond ("Rurmond" - der namengebende Fluß heißt in Deutschland Rur und in den Niederlanden Roer, was auch "Rur" ausgesprochen wird.)

Die Kirche ist wunderbar "vollständig":





Sonntag, 29. August 2010

Urlaub am Chiemsee

Sonnenaufgang über Bernau
Im August habe ich am Chiemsee Urlaub gemacht. Nach 32 Jahren das erste mal - mann, ist das alles klein geworden da...

Besonders angetan war ich von der Fraueninsel mit ihrem Benediktinerinnenkloster Frauenwörth - eine Gründung aus karolingischer Zeit.







Eine Wallfahrt nach Altötting war Pflicht - und sehr schön. Die "heilige Kapelle" ist ursprünglich das Baptisterium der Kaiserpfalz.


In Altötting ist der Feldherr Johannes Tserclaes Reichgraf von Tilly beigesetzt, berühmter Kämpfer für die katholische Seite im 30jährigen Krieg. Hier kann man ihn sehen - oder das, was sterblicherseits von ihm übrig ist:


In der Schatzkammer im Papst-Benedikt-Haus werden u.a. viele Votivgaben an die Gottesmutter ausgestellt. Höhepunkt ist das Goldene Rössl - ganz aus Gold - die farbigen Flächen sind emailliert. Gold schmilzt eher als Emaille - keiner weiß, wie man das gemacht hat. Ist es nicht wunderbar?

 



Dann bin ich nach Salzburg gefahren, zum Sitz des Primas Germaniae. Gegen die Atmosphäre, die dessen barocke Kathedrale ausstrahlt, ist Il Gesù in Rom regelrecht heimelig. (Darum keine Bilder!)

Für mich das beste ist die Franziskanerkirche - romanisches Schiff und ein gotischer Hallenchor - unglaubliche Wirkung, die nicht wirklich auf Photos zu bannen ist, aber dennoch:






Auf die kleine Wallfahrtskirche Maria Rast in Langenbach bei München war ich durch einen Prospekt aufmerksam geworden. Die jüngst renovierte Kirche ist unbedingt sehenswert:







Am Fest des heiligen Apostels Bartholomäus fuhr ich zum Königssee, um zum Patronatsfest nach St. Bartholomä überzusetzen. Entzückend waren drei ältere Nonnen, die die gleiche Idee hatten, wie ich. An Bord erklärten sie zunächst dem Stewart, der gekonnt sein übliches Touristenprogramm samt Trompetenspiel mit Echo zum besten gab, welches Fest wir heute haben, und dann in der Kirche dem vielleicht dreijährigen Lukas im Angesicht des Altarretabels, wie weh es tut, wie der Apostel gehäutet zu werden und was für böse Menschen das waren...





Wasserburg am Inn, von drei Seiten vom Fluß umspült, ist eine Stadt mit gut erhaltenem mittelalterlichem und frühneuzeitlichem Baubestand. 






Die Pfarrkirche St. Jakobus ist nicht zuletzt wegen ihrer orangen Gewölbe sehenswert. 


Bezaubernd fand ich die Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau, ein gotisches Kirchlein, das sehr überzeugend barockisiert wurde - und wer mich kennt, weiß, was es heißt, wenn ich Gotiker das schreibe... Dort verweilte ich lange und konnte bestens beten.

 





Auf dem Rückweg fuhr ich über Regensburg. Bis 1803 war die alte Römerstadt jahrhundertelang Sitz des Ständigen Reichstags - also so etwas wie die Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches.

Zunächst war ich in der Alten Kapelle, wo ich die Messe mitfeiern und dabei die jüngst geweihte "Papst-Benedikt-Orgel" hören konnte. Eine romanische Kirche mit gotischem Chor, die üppigst barockisiert wurde. Übrigens befindet sich dort eine (der vielen) vom Evangelisten Lukas gemalte(n) Marienikonen.



Hauptziel war natürlich der Dom St. Peter (Der Apostelfürst wird am Trumeaupfeiler als Papst, ohne Schlüssel, dafür mit Tiara gezeigt). Es ist die wohl "französischste" der gotischen Kathedralen Deutschlands - sieht man vom fehlenden Chorkapellenkranz ab. (Leider ist es innen sehr dunkel, was das Photographieren erschwert.)






Zu einem weiteren Urlaubsbericht vom Chiemsee geht es hier und über die jeweils anschließenden Verweise.

Ergänzung: Hittenkirchen

Ergänzung: Urschalling


Zu einem eigenen Beitrag über Regensburg geht es hier.

Einen weiteren Urlaubsbericht vom Chiemsee findet man hier: Wieder am Chiemsee.

Sonntag, 18. Juli 2010

Besuch aus Amerika

An diesem Sonntag war eine Gruppe aus den VSA in unserer Pfarrei zu Gast. Sie reist fünf Tage durch Europa mit dem Ziel der Passionsfestspiele in Oberammergau.
Der Priester, Pfarrer in St. Rita, Rockfort, Illinois, Dechant und Monsignore, ein sehr angenehmer und vornehmer Mensch, hat familiäre Wurzeln in unserm Dorf. Darum waren sie hier.
Er wollte in der Vorabendmesse konzelebrieren und fragte, ob es möglich sei, den Meßkanon - möglichst den römischen (I.) - einschließlich Vaterunser in Latein zu beten.
Er berichtete, daß sein Bischof sehr am Herzen liege, daß die lateinische Tradition nicht absterbe und daß auch die Gläubigen, die die Alte Messe lieben, einen legitimen Platz in jedem Dekanat dafür finden.
Die Gruppe kam eine Stunde vor der Messe zur Kirchenführung. Abgesehen von den für uns Europäer eher merkwürdigen Begrüßungsformen ("Hello, I'm John. How are you?") waren die Leute sehr sympathisch.
Wirklich berührt war ich davon, daß man sich im Katholischsein sofort nahe und einig war. Der gleiche Glaube, der gleiche Geist, die gleichen Formen. Das war schön!
Ein Freund, dem ich das erzählte, sagte, das sei das Prinzip von McDonald's: Überall auf der Welt finde man das gleiche an und fühle sich deshalb sicher und zu Hause. Der Unterschied ist nur der Inhalt und dessen Qualität...

Donnerstag, 27. Mai 2010

Lourdes Pfingsten 2010

Mit dem Malteser-Krankenzug des Bistums Münster war ich über Pfingsten das dritte Mal in Lourdes. Es waren schöne, erfüllte und anstrengende Tage. Wer als Deutscher nach Lourdes fährt, tut dies beim ersten Mal in der Regel mit Skepsis - gegenüber einer Marienerscheinung im 19. Jahrhundert und einer vermuteten süßlichen Frömmigkeit.

Wer dort war, weiß, daß Lourdes anders ist. Zwei Dinge beeindrucken besonders: das dichte Gebetsleben an der Grotte - dort "brummt es wie ein Trafohäuschen" - und die vielen Kranken und Behinderten, die in allem den Vorrang haben, wodurch sich eine Atmosphäre der Hilfsbereitschaft und des Friedens verbreitet.

In diesem Jahr fand zu Pfingsten die internationale Soldatenwallfahrt statt. Die Kirche aus allen Völkern und Nationen war zu sehen (Uniformen, Fahnen) und zu hören (Sprachen, Musik). Echte Hingucker waren die fünfzehn Schweizergardisten aus dem Vatikan und die irischen Dudelsackspieler in orangenen Röcken.

Sechs Musiker des Heeresmusikcorps gaben für uns am Samstag ein Platzkonzert, das in Partyliedern, Tanz und einer Polonaise gipfelte. Am Sonntag kamen dann die Iren und die Spanier auf unsere Station, um ihre Dudelsackkünste zum besten zu geben - sehr zur Freude aller.

Bilder und Kurzvideos finden sich hier (die hier zu sehenden Photos stammen aus dieser Quelle) und hier.

Donnerstag, 19. November 2009

Neues aus der Neumark

Ein Freund hat ein altes preußisches Domänenhaus in der Mark Brandenburg gekauft und stilgerecht renoviert. Er hat - "obwohl" lutherischen Bekenntnisses - eine Hauskapelle eingerichtet und mich gebeten, sie zu segnen. Dies war der Anlaß für eine Reise mit einem gemeinsamen Freund in den Osten.


Wir besuchten Beeskow, eine typisch märkische Stadt mit zentralem Exerzierplatz, der außerhalb der Übungszeiten auch als Marktplatz genutzt wird, rechtwinklig angelegten Straßen, an denen die Häuser wie die "Langen Kerls" aufgestellt sind, und einer gotischen Backsteinkirche.
Diese Kirche, St. Marien, wollten wir besuchen. Aber sie war - da lutherischen Bekenntnisses - verschlossen. Da kam ein Radfahrer und sprach einen von uns an, ob wir von der Firma X seien. - Nein. - Dann sei er sicher der Herr Y. - Auch nicht. Aber ob er uns sagen könne, wie man in die Kirche käme. - Ja, er habe den Schlüssel in der Tasche.
So hatte uns ein "Verwöhnpaket" Gottes erreicht: Der Mann, Herr Knut Krüger, ist seit 1968 Mitglied des dortigen Presbyteriums (so nennt der preußische Protestant irreführenderweise seinen Kirchenvorstand).


Der Mann ist ein Held: Er hat in DDR-Zeiten in reiner Privatinitiative die Rettung der wunderbaren Kirche eingeleitet. In Feierabendarbeit wurde der Verfall gestoppt und der Wiederaufbau eingeleitet - inzwischen ist das Dach gedeckt. Ansonsten ist die Kirche praktisch nackt - Backstein, weiße Fenster, Schotterboden.
Wir betraten den Raum. Ich spare mir alle Beschreibung; dieses Bild sagt alles:


Ich flüsterte dem Freund zu: "Hier müßte man einmal die Alte Messe feiern!"
Herr Krüger hörte das, seine Augen blitzten auf. Ob er richtig gehört habe? Man feiere 2011 ein Kirchenjubiläum und sei auf die Idee gekommen, aus diesem Anlaß einen Gottesdienst zu feiern, wie er zur Erbauungszeit üblich war.
Ich hoffe, daß er die Verantwortlichen überzeugen kann. Nach über einer Stunde, in der er uns das Werk erklärt, die Sakristei mit spätmittelalterlichen Fresken und das als Kirche genutzte Seitenschiff mit einem Christopherusbild aus den 1950er Jahren gezeigt hatte (daß dieser Nothelfer gegen den jähen Tod von den Lutheranern verehrt wird, ist doch erfreulich!), bat Herr Krüger um meine Karte. Er scheint es ernst gemeint zu haben...

Sakristei:

Danktafel für einen Wohltäter, der die Wiederherstellung der Turmuhr ermöglicht hat. Man beachte die Kritzeleien: Mt 6, 1-4 und (klein, mit Bleistift geschrieben) Mt 5, 16


Abends saßen wir in der Eisdiele des kleinen Ortes (Der Betreiber hat keine Wirtshauslizenz...). Bei den Einheimischen hatte sich herumgesprochen, daß ein echter KATHOLISCHER PRIESTER im Ort sei. Man schwankte zwischen Scheu vor dem Leibhaftigen und Neugier. Der ältere Herr neben mir faßte mich immer wieder am Arm. Er wollte vermutlich prüfen, ob ich echt sei... Ein junger Mann, dessen Vater überzeugter Kommunist und Atheist gewesen war, war nicht erreichbar für religiöse Themen. Keine Neugier, keine Anknüfungspunkte. Tot ist tot - Ende. Traurig.
Hinterher erfuhr ich, daß man im ganzen Dorf über dieses "Ereignis" sprach. 40 Jahre DDR im tiefsten protestantischen Preußen sind schon eine bemerkenswerte Hypothek...

Film von der Kirchweihvesper: